Jahrgang 
1 (1856)
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Der Balineſe.

Indiſche Skizze von

Fr. Gerſtäcker.

Oeſtlich von Java, und von dieſer Inſel nur durch einen ſchmalen See⸗ arm getrennt, liegt das zwar kleine, aber wunderſchöne, gebirgige Eiland Bali, von einem kriegeriſchen, kräftigen, arbeitſamen Volke bewohnt und bis in ſeine Berge hinauf vortrefflich cultivirt und angebaut.

Trotz ſeiner Nähe bei dem ſchon längſt den Holländern unterworfenen Java hatte es ſich dennoch bis zur neueren Zeit ſeine vollkommene Unab⸗ hängigkeit zu bewahren gewußt, und erſt in den letzten Jahren gelang es den

Holländern, theils durch Verrath unter den Eingeborenen, theils durch ihre Truppen unter dem Commando Sr. Hoheit des Herzogs Bernhard von Weimar, die Rajahs Balis wenigſtens dahin zu bringen, daß ſie ihre Ober⸗ herrſchaft anerkannten.

Die Balineſen ſind, was die Miſſionäreblinde Heiden nennen, d. h. ſie haben ihre eigenen Götter(Brachma, Schiwa und Wiſchnu) und ihren eigenen Glauben, den ſie ſich entſchieden weigern abzulegen. Ihre Javaniſchen Nachbarn gingen ihnen darin allerdings ſchon ſeit längerer Zeit mit gutem Beiſpiel voran, indem ſie zum Islam übertraten. Von den mu⸗ hamedaniſchen Prieſtern beſonders, aber auch dann und wann von chriſt⸗ lichen Miſſionären ſind ſchon verſchiedene Verſuche gemacht ſie das abſchwö⸗ ren zu machen, was andere Nationen eine Irrlehre nennen. Bis jetzt war es jedoch vergeblich, und wenn es irgend noch eines Beweiſes bedürfte, daß die chriſtliche Religion keineswegs unumgänglich nothwendig dazu iſt ein wildes Volk zu civiliſiren, ſo liefern dieſe Balineſen als Heiden, und ihre Nachbarn die Javanen als Muhamedaner davon den ſchlagendſten Beweis.

Was die Cultur Balis betrifft, ſo läßt dieſe nichts zu wünſchen übrig. Jedes Plätzchen, das Frucht liefern kann, iſt benutzt, und die Balineſen