14 Geſchichten einer Wetterfahne.
henden Wolken. Aber es gibt kein rechtes Kampfgewühl mehr, die Nebel⸗ und Dunſtmaſſen ballen ſich ängſtlich übereinander, die meiſten ſuchen zu entfliehen, einige kämpfen wohl noch mit den Winden, aber es iſt ein kraft⸗ loſes Geplänkel, die Beſiegten ſtrecken wie um Gnade flehend lange ſchlot⸗ terige Wolkenarme aus; das Gewitter verſchießt ſeine letzte Munition, ein dürftiger Regen flattert nieder, und wie das die Sonne ſieht, ſo wölbt ſte den prachtvollen Regenbogen über die Erde, der Friede bedeutet und wonach aller Kampf aufhören muß.
Wer nicht, wie ich, beſtändig auf dem Dache lebt und ringsum eine freie Fernſicht hat, der kann die Wunder des Himmels und der Erde nicht begreifen. Was iſt eine behaglichere Exiſtenz, im verſchloſſenen Zimmer oder im Anblick der friſchen Natur, namentlich nach einem Gewitter? Man könnte glauben, die nun hervorbrechenden Sonnenſtrahlen hätten doppelte Kraft, doppeltes Feuer. Blitzen ſie nicht feenhaft auf dem feuchten Graſe? Säumen ſie nicht ſelbſt purpurroth ihre Feinde, die verziehenden Wolken, und vergolden Berg und Thal, das ſaftiggrüne Saatfeld und die gelblich glänzende Heide? Sogar der finſtere Tannenwald drüben ſchmunzelt unter ihrem liebenden Kuſſe, und ſeine dunkelgrünen Nadeln ſind wie mit einem leichten goldigen Dufte überzogen.
Ja, Kindergeſchwätz über den einförmigen Himmel! Der Himmel iſt unbeſchreiblich ſchön, zu allen Tages⸗, Nachts⸗ und Jahreszeiten! Ich habe jetzt nicht die Laune, mich noch in mehrere Details darüber einzulaſſen, wird aber ſpäter ſchon noch kommen, denn ich kann jetzt nicht umhin, mich meiner nächſten und genauen Freundſchaft, der„langweiligen“ Dächer mit ein paar Worten anzunehmen.
Langweilige Dächer! hat das kleine Mädchen geſagt, die ſo vorwitzig aus dem Dachfenſter herausſchaute. Sie hat ein kleines, ſtumpfes, weißes Näschen, und ich prophezeihe ihr, daß ſie ſpäter einmal ſehr naſeweis werden wird. Doch gleichviel, was iſt ſo ein Menſchlein gegen mich! Ich habe den erſten Schrei ihrer Großmutter gehört, und wenn die Kleine da einen Mann bekommt und Nachkommenſchaft, ſo werde ich es auch wohl noch erleben, daß einer ihrer Urenkel zu demſelben Dachfenſter herausſchaut und ebenfalls über die langweiligen Dächer ſpricht.
So ein Dachleben iſt was ganz Abſonderliches. Hier oben iſt eine Stadt für ſich mit ihren Straßen, Paläſten, kleinen, geringen Häuſern, großen Gebäuden und freien Plätzen. Aber um das genau überſehen zu


