Jahrgang 
1 (1856)
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Von F. W. Hackländer. 13

erſtickenden Rinnen, welche die Waſſermenge unmöglich verſchlucken können, wie gluckst, murmelt und klagt es in den Ableitungsröhren, die in ihrer mir verſtändlichen Sprache jammernd verſichern, wenn das noch eine Zeitlang ſo anhalte, ſo ſeien ſie es der eigenen Ehre ſchuldig, unbedingt ihren Dienſt aufzugeben; denn was zu viel ſei, ſei zu viel, und die untere Oeffnung müſſe mit dem, was oben hineingeſchüttet werde, in richtigem Verhältniſſe ſtehen. Obendrein hätten ſte keinen Magen wie die Menſchen, die ſchon im Stande wären, einiges bis zu anderer gelegener Zeit bei ſich aufzubewahren. Dazu krachen die Dachladen und klirren die Fenſter, und wenn zufälligerweiſe eines der letztern offen ſtehen geblieben iſt, ſo iſt es für eine gefühlvolle Wetter⸗ fahne herzzerreißend, mit zuhören zu müſſen, wie das arme unſchuldige Glas von den gewaltigen Schlägen zerſchellt.

So zieht das Gewitter über mich dahin, oftmals bleibe ich dabei ruhiger Beobachter, häufig aber erfaßt mich ein marodirender Wind, der tückiſch hin⸗ terdreinſchleicht und wirbelt mich ſo toll herum, daß Wolken, Kirchthürme, Schornſteine, Blitzableiter, wie in nebelhaften Bildern, wie ein raſender Hexentanz vor mir umherflimmern. Glücklicherweiſe dauert aber eine ſolche ſchlechte Behandlung nicht lange. Mit den abziehenden Wetterwolken ſchleicht auch der Wind davon, oder als heimtückiſcher Geſelle erhebt er ſich hoch über mich, und überfällt die ſchon entkräftet Abziehenden, zerreißt ihre bis jetzt feſtgeſchloſſenen Glieder und wirft die Maſſen hierhin und dorthin. Auf dieſen Augenblick haben nur die Sonnenſtrahlen gewartet, und wenn man ſo eben noch keine Spur von ihnen ſah, ſo erfüllen ſie jetzt mit einem Male den ganzen gewaltigen Raum. Die Sonne ſpricht:Jetzt habe ich genug des Spektakels, und zerreißt den dünnen Schleier, der hinter dem abziehenden Gewitter über die Erde wallt, und tritt hervor, glänzend und gerüſtet, mit ſcharfem, funkelndem Schwerte. Umſonſt färben ſich die wegeilenden Wolken noch einmal tiefgrau, faſt ſchwarz, ihre Macht iſt gebrochen, und die Blätter und Zweige der Bäume, ja ſelbſt die armen, kleinen Sträucher, die ſich vor⸗ her ihrem Grimme gebeugt, richten ſich nun muthig in die Höhe und bewegen ſich luſtig, faſt höhniſch rauſchend.

Was gibſt du mir, ſpricht der Wind, der auf beiden Achſeln trägt, zur Sonne,wenn ich das freche Gewölk gänzlich verjage? Darf ich zugleich mit deinen Strahlen das köſtliche Naß aufſchlürfen, welches an Bäumen, Sträuchern und Gräſern hängt? Und da ihm das bewilligt wird, ſam⸗ melt er ſeine Gehülfen und überfällt nochmals mit ganzer Kraft die entflie⸗