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Von F. W. Hackländer.. 11
Liebe, wenn er freundlich lächelnd klar herniederblickt. Der Himmel, ſo traurig und ſchmerzvoll anzuſehen, wenn ſich ſein glänzendes Angeſicht trübe verſchleiert und langſam ſeine Thränen niederfließen, wenn er weint über die kleinen und großen Leiden der Menſchheit, wenn dann die Wolkenmaſſen unruhig hin und her zittern, hoch oben in immer wechſelnden Geſtalten dahinziehen, und aus den Schluchten und Thälern lange geſpenſterhafte Nebel aufſteigen, verkörperte Seufzer und Klagen, die ſich dem düſtern Zuge droben anſchließen, ein gewaltiger Trauerzug!— Und wie erhaben iſt der Himmel erſt, wenn ſich zürnend ſein Antlitz verfinſtert, wenn ſchwarze, maſſenhafte Wolken, wie um ſich ſelbſt rollend, ihn allmählig überziehen, wenn ſich der ängſtliche Wind in gewaltigen Sprüngen aufmacht, damit er noch nach Hauſe komme, ehe ihn Regen und Hagel trifft, und wenn er dabei auf ſeiner eiligen Flucht tief auf der Erde den Staub aufwirbelt, und hoch auf den Dächern die Ziegel gegen den Strich kämmt, daß die Haare des Daches jammernd davonfliegen!—
O dieſer Wind mit ſeinem ſchlechten Gewiſſen vor dem Gewitter fliehend, iſt ein unverſchämter unhöflicher Geſelle! Sehe ich doch oft genug, wie er auf den Straßen plötzlich ſo tückiſch daherfährt, Regen⸗ ſchirme umwendet, Hüte entführt und ſonſt noch Sachen treibt, über die eine anſtändige Wetterfahne nicht gerne ſpricht; dieſe Schlingel aus der Windwelt, o ſie verurſachen uns vielen Kummer! Was machen wir uns daraus, wenn uns ein leichter Hauch aus Süden, oder ſogar ein feſter Zug aus Weſten hin und her treibt, uns auch vielfach herumwirbelt! Das ſind freilich auch geſtrenge Herren, die uns oft Tage und Nächte lang keine Ruhe laſſen, aber ſie überfallen einen nicht ſo frech und pöbelhaft, wie ihre nichtsnutzigen Vettern, von denen ich vorhin ſprach. Sie kündigen ſich gewöhnlich durch einen ſanften Hauch an und ſpringen nicht wie toll und raſend einher, die beſten Träume und Phantaſieen zerreißend und verjagend. Da es aber hienieden kein Licht ohne Schatten gibt, ſo will ich mich auch nicht beklagen, ſondern nehme alles geduldig hin, wie es kommt, und was dieſe Winde vor dem Gewitter anbelangt, ſo treiben ſte ihr Unweſen über⸗ haupt nie lange. Kaum grollt der erſte Donner fern in den Bergen wieder⸗ hallend, ſo ſind ſie verſchwunden, halten den Athem an und ſchauen erſchreckt zu, wie ſich das Wetter droben entwickeln wird. Und wer ſieht das beſſer als ich, hoch oben auf dem Dache, ohne Furcht vor den zuckenden Blitz⸗ ſtrahlen; denn neben mir ſteht mein guter Freund, der Blitzableiter, und


