Jahrgang 
1 (1856)
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10 Geſchichten einer Wetterfahne.

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ſteinkrönung von dem Schornſteine herab, und als ich am andern Morgen beſorgt um mich her blickte, ſah ich meine unglückliche Lebensgefährtin zuſam⸗ mengeknickt auf dem Dache liegen. Mein einziger Troſt war, daß ſie gläubig ſtarb, und daß ſie ſich auch eben dadurch noch mit mir verſöhnte. Sie ſprach in ihren letzten Augenblicken von der Fortdauer nach dem Tode, und wie ſie überzeugt ſei, jetzt doch noch eine Ofenſchaufel zu werden. Dieſe tröſtenden Gedanken verklärten ihren Geiſt und die Gnade kam bei ihr ſo weit zum Durchbruch, daß ſie mich um Verzeihung bat für die wenige Liebe, die ſte mir in dieſem Leben erwieſen. Auch ich muß geſtehen, daß ich tief betrübt war, faſt verzweifelte, und daß ich mich, als ſie Abſchied nehmend zu mir ſagte:So lebe denn wohl, mein Edmund! wie wahnſinnig im Kreiſe umherdrehte.

Es gibt überall niederträchtige Charaktere, auch unter den Blitzableitern und Wetterfahnen, ja ſogar an den Kirchen iſt nicht alles, wie es ſein ſollte; und es ſchmerzte mich tief, daß ein alter Hahn auf einer der letzteren die ſchreckliche Vermuthung ausſprach, als habe der Schornſtein meine Gattin in Folge ihres Zwiſtes abſichtlich getödtet. Glücklicherweiſe aber war der alte Hahn als Pietiſt bekannt, verdiente deshalb nicht den geringſten Glau⸗ ben, und ſo blieb unſere Freundſchaft unerſchüttert.

Zweiter Windſtoß. Beobachtungen auf dem Dache.

Wenn ich einiges über mein Leben ſagen will, ſo kann ich nicht umhin, die Worte eines kleinen hübſchen Kindes anzuführen, das eines Tages zu dem Söllerfenſter herausblickend, als es mich dicht vor ſich bemerkte, in die Hände ſchlug und ausrief:Ach die arme Windfahne! Immer da draußen zu ſein! Das iſt doch ganz erſchrecklich! Hat kein Zimmer und kein Bett und ſieht nichts als den Himmel und die langweiligen Dächer! Obgleich man gewöhnlich ſagt, Kinder und Narren ſprechen die Wahrheit, ſo mußte ich doch in der That mitleidig lächeln über die Aeußerung des jungen Mädchens. Nichts als den Himmel und die langweiligen Dächer! Als ob der Him⸗ mel, wie ich ihn ſehe, ſo weit und unendlich über mir ausgeſpannt, nicht an ſich ſchon Abwechslung genug böte, für die Beobachtungen einer ganzen Lebenszeit. Der Himmel mit ſeinen Launen, die ſich ſo wahrhaft großartig äußern, mit ſeinem wunderbaren Glanze, ausſtrahlend eine allumfaſſende