Von F. W. Hackländer. 9
doch oft ein ſtarker Windſtoß kaum herum, während den da oben der leiſeſte Hauch bewegt!“ Dieſe Zärtlichkeit meines Hausherrn ward denn auch an einem Licht⸗ blicke meiner ſonſt traurigen Ehe ſchuldig, durch ſeine Liebe zu mir wurde ich 5 mit einer hübſchen Nachkommenſchaft beglückt. Doch bitte ich den geneigten Leſer, durchaus nicht Unrechtes von mir zu denken, es begab ſich alles auf 1 ganz natürlichem Wege. Im Garten befand ſich ein kleines Haus, und das erhielt zwei kleine Wetterfahnen, die ganz ausdrücklich nach mir geformt wurden, und die ich alſo vollkommen berechtigt war, als meine Kinder an⸗ zuſehen. Sie waren mir wie aus dem Geſichte geſchnitten, friſche fröhliche Buben, grün angeſtrichen mit goldenen Knöpfen. Wie drehten ſie ſich ſo luſtig und vergnügt, gerade wie ich! Und oft, wenn ich liebend hinunter⸗ blickte, war es mir, als ſchauten ſie freundlich drehend zu mir herauf. Leider wurden ſie eine Quelle neuer Ehezwiſte, denn meine Gattin trieb die Hartherzigkeit gegen mich ſo weit, ſte nicht anerkennen zu wollen; ja, ſie war auf dem beſten Wege, mich eines ſträflichen wahlverwandtſchaftlichen Ver⸗ hältniſſes zu einer dicken Wetterfahne der Nachbarſchaft anzuklagen. Glück⸗ licher Weiſe aber nahm der alte Schornſtein meine Partei und wollte ſich für meine Solidität verbürgen.
Daß es aber necht rathſam iſt, ſich in den Streit zweier Ehegatten zu miſchen, bewies ſich hier wieder klar und deutlich; denn über die angebotene Bürgſchaft wurde meine Gattin ſo erzürnt, daß ſie dem alten Hausfreunde ddie heftigſten Vorwürfe machte, Vorwürfe, die er unmöglich ſchweigend ertra⸗
1 gen konnte. Beſchuldigte ſie ihn doch, er treibe es mit dem ganzen Hauſe, und wenn er es unten mit der Köchin halte, ſo flüſtere er im erſten Stocke mit der gnädigen Frau, und warum oben die Gouvernante ihre Ofenthüre ſo häufig öffne, wiſſe die ganze Nachbarſchaft. Auch behauptete ſie im Zorne, er habe eine rauchige Seele. Nun war allerdings der Schornſtein ein alter Junggeſelle und als Lebemann bekannt, der gern überall erwärmte und ſich nebenbei mit gutem Eſſen und Trinken viel zu ſchaffen machte. Doch war das für meine Frau kein gerechtfertigter Grund, ihm Grobheiten zu ſagen, weshalb ſie denn auch hart hinter einander kamen und ſich unterſchiedliche pikante Redensarten zuwarfen.
Darüber brach die Nacht herein, eine jammervolle ſchauerliche Nacht, die ich nicht vergeſſen werde. Sie erſchütterte meinen Freund und koſtete mich meine Gattin. Ein wüthender Sturm, der ſich erhob, warf die Back⸗
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