Jahrgang 
1 (1856)
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8 Geſchichten einer Wetterfahne.

nur hie und da wandte ſie ſchwermüthig ihren Kopf nach rechts oder nach links, wenn die Zinkeniſten auf dem benachbarten Thurme blieſen: Im Grab iſt Ruh!

Das war ein jammervolles Leben für mich, doch hielt ich es als Mann und Gatte für meine Schuldigkeit, für ihre Geſundheit zu thun, was in meinen Kräften ſtünde. Ich bat den alten Schornſtein um Rath, der mir alsbald behülflich war. Er erzählte von den Leiden meiner Gattin in die Küche hinab, die Köchin ſagte es dem Hausherrn, und an einem ſchönen Morgen kletterte ein junger Schmiedgeſell auf das Dach, um nach ihr zu ſchauen. Der arme Georg war es nicht; der war ſchon längſt über alle Berge. Leider mußte ſich meine unglückliche Gattin einer ſchweren Operation unterwerfen, gewaltſam wurde ſie herumgedreht und ihr Gekreiſch durchzuckte ſchrecklich meine Nerven. Man befreite ſie vom Roſte, gab ihr friſches Oel und ſtellte ſie ein bischen gerade. Das war nun alles recht ſchön und gut, hätte nur der rohe Schmiedgeſell bei ſeiner Arbeit nicht ausgerufen:Da iſt nicht viel zu machen, das iſt ein altes eigenſinniges Gerümpel! Wie hat mich die Frau mit den Worten gequält! Kaum begann die Nacht, ſo fing ihre Gardinenpredigt an. Ich hätte den plumpen Kerl abſichtlich her⸗ aufbeſtellt, ſagte ſie, nur um ſie zu ärgern, nicht um ihr zu helfen. Ich hätte gelacht und mir die Hände gerieben, als er ihr geſagt, ſie ſei ein altes eigen⸗ ſinniges Gerümpel. Du lieber Gott! und doch hatte ich gar keine Hände, um ſie mir reiben zu können. Aber ſo ſind einmal die Weiber in ihrem Zorn, und ein verſtändiger Ehemann thut alsdann am beſten, ſich ſchwei⸗ gend abzuwenden.

Uebrigens hatte die Kur nicht viel genüttelhre Conſtitution war zu ſchwach, um ihrem hohen Lebensberufe gehörig nachkommen zu können, und ich geſtand mir jetzt ſchmerzlich, daß es doch beſſer geweſen wäre, wenn die arme Frau eine Ofenſchaufel geworden. Zu ihrer Aufheiterung trug es auch durchaus nicht bei, daß ſie der Hausherr oftmals kopfſchüttelnd be⸗ trachtete und ſagte:Die iſt nicht gut gerathen. Weiß der Teufel, was ſie immer ſo hartnäckig nach Oſten zu blicken hat. Eine ſolche Wetterfahne kann man nicht brauchen. Wenn wieder was an ihr zerbrochen iſt, ſo laß ich ſie wahrhaftig nicht mehr repariren! Mich dagegen liebte er außeror⸗ dentlich, und pflegte zu ſagen:Das iſt ein prächtiger Kerl, auf den kann man ſich verlaſſen! die Kirchthurmhahnen mögen ſich ſchämen! bringt die