Jahrgang 
1 (1856)
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Von F. W. Hackländer. 7

Schickſal traf, zu einer Lebensgefährtin für ein ſo wankelmüthiges Geſchöpf, wie du biſt, verarbeitet zu werden.

Wankelmüthig bin ich nicht, entgegnete ich ſo ſanft als möglich und mit einer zierlichen Schwenkung rechts herum.Daß ich mich drehe, iſt mein Beruf, und daß ich mich leicht und ſchnell drehe, daran iſt meine unge⸗ ſchwächte Manneskraft ſchuldig.

Dein Beruf? kreiſchte ſie höhniſch,o ich weiß ganz genau, wes⸗ halb deine Blicke ſo unaufhörlich über alle Dächer dahinjagen. Dort ſind freilich zierlichere Wetterfahnen, als ich bin, hübſche Sterne und Kreuze auf den Dächern, denen gelten deine Bemühungen, mit ihnen wechſelſt du ſüße Augen, ich aber bin ein armes unglückliches verkanntes und verrathe⸗ nes Weib.

Dies war der erſte Ehezwiſt, den ich mit meiner Gattin erlebte; und hätte Frau Ottilie Wildermuth ihr Buch damals noch nicht geſchrieben ge⸗ habt, ſo würde derſelbe dort eine paſſende Stelle finden.

Wie hatte ich mich auf eine Gefährtin meiner Tage gefreut! auf ein gleichfühlendes Weſen, das unſerer Beſtimmung gemäß ſich jetzt mit mir rechts, jetzt links drehen würde. Was mir aber eine Quelle der Freude hätte ſein können, ward mir zu einem ganzen Strom des Leidens. Ich ärgerte mich über ihr ſchwerfälliges Weſen, ich konnte nicht unterlaſſen ihr häufige Ermahnungen zu machen; da ſie aber meiſtens das Gegentheil von dem that, was ich gewünſcht, ſo verdüſterte ſich mein heiteres Gemüth, und Groll und Bitterkeit ſtiegen in mir auf, ich haßte meine Wetterfahnen⸗

beſtimmung, meine Frau, das Dach, auf welchem ich ſtand, die Werkſtatt,

aus der ich hervorgegangen, vor allem aber den Lieutenant, der die Urſache alles meines Kummers war. Daß es ihm in ſeiner Ehe nicht beſſer erging, als mir in der meinigen, war ein ſchwacher Troſt für mich. Ja, ich hatte eines Tages die Genugthuung, daß er ſeufzend zu mir aufblickend ſagte: Lieber Wetterfahne ſein und ſich vom Hauch jedes Windes herumtreiben laſſen, als den unausſtehlichen Launen einer Frau folgen zu müſſen.

Die meinige aber rieb ſich auf und wurde zuſehends ſchwächer und hinfälliger. Der alte Schornſtein hatte es mir ſchon oft anvertraut, ich fühlte es mit Schrecken, und jetzt, da ſie eingeroſtet war und nicht mehr anders, als nach Oſten blicken konnnte, jammerte es mich in meinem weichen Ge⸗

miüthe, und ich gab ihr gute Worte und verſuchte ſie zu tröſten. Umſonſt,

ſie blieb hartnäckig und verſchloſſen, bewegte ſich faſt gar nicht mehr und