Jahrgang 
1 (1856)
Einzelbild herunterladen

Von F. W. Hackländer. 5

davon. Das ſah ich an ſeinem gänzlich veränderten Benehmen und Ausſehen. Da er aber eine heftige Natur war, ſo hatte er ein paarmal arge Auftritte mit ihr, und da er ſich durch nichts beſchwichtigen laſſen wollte, ſo fiel ſie ſchicklicher Weiſe zuletzt ohnmächtig nieder, ließ ſich ſo von der Mutter finden, wonach dem Geſellen augenblicklich aufgeſagt wurde. CEhe er aber fortging, ſtieg er zu mir herauf und ſetzte meine künftige Lebensgefährtin, auf welche ich mich ſo lange und innig gefreut, auf die ſüdliche Giebelſpitze. Es war anſcheinend ein nettes Weſen, die andere Wetterfahne, ebenfalls zierlich aus⸗ geſchnitten und grün bemalt; doch bemerkte ich wohl, daß der junge Schmied ſie verdroſſen befeſtigte, lange nicht ſo freudig, wie er mich aufgeſetzt. Als er drüben fertig war, kam er über das Dach zu mir her, drehte mich leicht herum und ſagte ſeufzend:Das waren andere Zeiten, als ich dich gemacht, verflucht ſei das ganze Mädchenvolk!

Obgleich nun ähnliche Geſchichten von Bürgermädchen und Lieutenants, von gebrochener Treue und hoffärtigen Meiſterinnen ſchon zu Dutzenden paſſirt ſind und noch häufig vorkommen werden, ſo habe ich doch dieſer aus dem einfachen Grunde erwähnt, weil ſie in ihren Folgen gar zu traurig in mein Lebensglück eingriff. Ich, unter Liebe und Glück entſtanden, ward kräf⸗ tig und geſund, meine arme Lebensgefährtin dagegen, bei welcher Kummer und Trübſal Hammer und Feile regiert, litt an einem unheilbaren Uebel ſchon am erſten Tage, als ſte mir angetraut wurde. Wie hatte ich mich auf ein heiteres, luſtiges Wetterfahnenleben gefreut! Mich mit ihr zu gleicher Zeit zu drehen, jetzt zierlich rechts, jetzt zierlich links, dann im raſchen Wirbel herum, ein heiterer Tanz durch's Leben. Da bemerkte ich ſchon am erſten Tage unſerer Ehe mit Schrecken, daß ſte ſchief aufgeſetzt war und ſtatt ſich luſtig umherzuſchwingen, betrübt den Kopf hängen ließ, und von einem Windſtoß, der mich ein Dutzendmal im Kreiſe herumwirbelte, trübſelig hin und her ſchwankte. Ja, ſte war von Geburt an kränklich, die arme Frau

und hatte Launen, wie alle übrigen. Wenn ich friſch in's Leben hineinſah,

mich freuend auf einen tüchtigen Sturm, dem ja immer ſchönes Wetter folgt, ſo ächzte und ſtöhnte ſie jämmerlich, daß ſich die Dachziegel darob hätten erbarmen mögen. Wenn ich jauchzend herumflog, ein junger, friſcher Kerl, ſo piepste ſie ängſtlich:Du Himmel, da kommt ſchon wieder ein Wind! Wann werde ich endlich Ruhe haben! Der Teufel auch! zum Ruhen iſt niemand auf der Welt, am allerwenigſten eine Wetterfahne.

So fing meine Ehe an und ſo ging ſie leider fort. Dabei war die Frau