4 Geſchichten einer Wetterfahne.
meinem unausſprechlichen Vergnügen, daß eine Lebensgefährtin für mich im Entſtehen begriffen ſei. Was aber meine Freude über dieſes glückliche Er⸗ eigniß einigermaßen verkümmerte, war die Entdeckung, die ich zu gleicher Zeit machte, daß der junge Schmied Hammer und Feile nicht mit der gleichen Freudigkeit handhabte, wie früher. Ja, wenn er ein paar Schläge gethan, ſo legte er den Kopf in die Hände und blickte betrübt zu mir hinauf. Oft warf er auch ſein Handwerkszeug vor ſich hin, verſchwand aus der Werk⸗ ſtatt, und wenn er dann nach kurzer Zeit wieder kam, ſo ſah er recht blaß aus, hatte die Lippen aufeinander gebiſſen, gerade ſo wie damals der Vater Schmied, als er die Beiden überraſchte. Das junge Mädchen ſah ich ſehr ſelten in dem Gemache, wo gearbeitet wurde, und wenn der junge Schmied ſie, wie mir ſchien, durch Bitten und Flehen hereinnöthigte, ſo blieb ſte an der Thüre ſtehen und ſtellte ſich nicht mehr an den Amboß, wie ſie früher ſo oft gethan. Da mußte was vorgefallen ſein. Aber was es war, konnte ich nicht ſogleich ergründen. Endlich aber nach vielem Spähen und ſtun⸗ denlangem Hinſtarren fing ich an, mir die Sache klar zu machen. Der alte Schmied, der das Verhältniß zwiſchen ſeiner Tochter und dem Geſellen wohl gemerkt, hatte bei ſich gedacht: wenn ich mit Gewalt dazwiſchen fahre, ſo thut das die entgegengeſetzte Wirkung. Nun war aber ein Offizier dem jungen hübſchen und reichen Bürgermädchen ſchon vielfach nachgelaufen, hatte aber um alles in der Welt keinen Zutritt in's Haus erhalten können, und wenn auch die Mutter dem Zweierlei⸗Tuch durchaus nicht abgeneigt war, ſo war's doch der Vater deſto mehr. Aber ſein Zorn gegen den Geſellen war ein vortrefflicher Bundesgenoſſe für die Meiſterin. Es ſei doch etwas ganz anderes, meinte ſte, die Frau eines hübſchen Lieutenants, als eines rußigen Schmiedes zu ſein. Natürlicher Weiſe ſprach ſie dieſen Vergleich nie mit klaren Worten aus, ſondern ließ ihn nur als Prinzip durchſchimmern. Dazu hieß es dann noch: Was will der Georg da unten heirathen? Das Mädel? ja, aber hauptſächlich unſer Vermögen und deine vortreffliche Kund⸗ ſchaft. Da nun auch ein ſtarker Schmiedmeiſter ſeine ſchwache Stunden hat, ſo wurde der Vater in ſolchen ſo lange bearbeitet, bis er endlich, obgleich brummend, zugab, daß der Herr Lieutenant nach einem Ball, auf dem er wacker mit der Tochter getanzt, einen Anſtandsbeſuch machen durfte. Aber es blieb leider weder bei einem Beſuche, noch bei Anſtandsbeſuchen über⸗ haupt, wie ich, der das ganze Haus und ſomit auch Eliſens Kämmerlein überſah, am beſten beurtheilen konnte. Georg erfuhr ebenfalls ſein Theil
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