Jahrgang 
4 (1855)
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470 Schleswig⸗Holſtein'ſche Bauern.

deſſen Zwiſchenräume Ziegelſteine füllen. Die dazu gehörigen Scheunen haben eine Bretterverkleidung. Das ganze Gerüſt des Hauſes iſt in ſeinen einzelnen Theilen mit eingekerbten Zahlzeichen verſehen, ſo daß es im Fall einer Auseinandernahme wieder gehörig zuſammengefügt werden kann. Es iſt nämlich früher oft geſchehen, daß man ſein Hausverflüttete, d. h. daß man es von der einen Stelle nach einer andern, günſtiger gelegenen verſetzte. Das Geſetz rechnet bei Erbtheilungen das Haus zu den beweglichen Gütern. Doch geſchieht dies lediglich bei Feſtegütern, d. h. ſolchen, wo der Grund und Boden nicht dem Bauern, ſondern dem Könige, einer Stiftung oder irgend einem andern Grundherrn gehört, und wo es einſt wohl vorkommen konnte, daß Einer, welcher ausziehen mußte, ſein Haus auf den Wagen lud und mit⸗ nahm. Im Gegenſatze zu jenen ſtehen die Bondengüter, wo auch Grund und Boden Eigenthum des Bauern iſt; aber auch der Bonde konnte Gründe haben, ſeine Wohnung nach einer bequemeren Gegend ſeines Beſitzes zu verlegen und aus dem Dorfe auszubauen.

Ich wollte den Braruper Jahrmarkt ſchildern, und ſiehe da, ich habe eine Charakteriſtik des Volks von Angeln geliefert. Möge der Leſer es mit der Wärme entſchuldigen, die jedes Herz erfüllen würde, wenn es, wie ich, einen ſo trefflichen Theil unſeres Volkes ſo ſchmachvoll mißhandelt werden und ſo hartnäckig und ſo aufopfernd widerſtehen ſähe.

Es hieß im Vorigen, der Angler ſei von melancholiſchem Tempera⸗ mente, und das wird bei der großen Mehrzahl zutreffen. Die Tanz⸗ und Vergnügungsluſt des Südens iſt ihm durchaus fremd. Wie aber jede Regel ihre Ausnahme hat, ſo auch dieſe. Einmal im Jahre legt ganz Angeln wie Ein Mann die ernſte, nachdenklich grübleriſche Miene ab und macht ein Geſicht, ſo feiertagsmäßig und ſo luſtig zugleich, als ob Oſtern, Pfingſten und Weihnachten, Faſtnacht und Erntefeſt auf dieſen einen Tag fielen. Das iſt der berühmte Markt von Süderbrarup, Montag, Dienſtag und Mittwoch nach Jakobi.

Süderbrarup iſt ein kleines, ſehr zerſtreut liegendes Dorf, welches im ſüdöſtlichen Angeln an der Straße gelegen iſt, die von Schleswig nach Kap⸗ peln führt. Es hat eine unanſehnliche weiße Kirche mit einem Glockenthurme daneben, zeichnet ſich durch nichts als zwei große Wirthshäuſer aus und iſt zu gewöhnlichen Zeiten ganz eben ſo ſtill wie die Nachbardörfer in der Runde.

Aber ſchon am Sonnabend vor Jakobi beginnt es ſich auf den Kop⸗ peln an der Straße zu rühren und zu regen. Pfähle werden eingeſchlagen,