Jahrgang 
4 (1855)
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Von Moritz Buſch. 469

ſich verſammelt. Da hat der Küſter, ehe der Todte aus dem Hauſe gebracht wurde, ein Geſangbuchslied angeſtimmt und eine Parentation gehalten, und dann haben nach Anhörung der Leichenpredigt und Beſtattung des Ver⸗ blichenen die Verwandten und Nachbarn zahlreich rings umher geſeſſen beim Erbbier, wie man es jetzt nennt, beim Aerrel, wie die Alten ſagten.

Aus dem Peſel führt endlich eine letzte Thüre in die Abnahme, wo die alten Aeltern den Tag erwarten, an dem man ihnen zu Ehren ein Erbbier veranſtalten wird. Die Abnahme iſt bei dem ältern Angler Hauſe meiſt in einem Flügel, der an das Hauptgebäude ſich anlehnt. Es gehört zu ihr bei Wohlhabenden außer freier Wohnung ein Stück Gartenland und ein oder zwei Heidſcheffel Feld zu Flachs und Kartoffeln, ſodann zwei Kühe, die, wenn ſie abgängig werden, vom Hufner durch andere zu erſetzen ſind, wobei den Abnahmeleuten die Wahl unter den beſten Stücken des Stalles frei ſteht. Ferner müſſen auf der Hufe ein Schaf und die Lämmer, die davon fallen, in Fütterung und Weide genommen werden. Es wird Holz und Torf zur Feuerung geliefert, Talg, Rindfleiſch und Sand zum Beſtreuen der Diele, vor allem aber reichlich Getreide gegeben; es ſind Fuhren ausbedungen und überhaupt alle Dinge, die zu des Lebens Nahrung und Nothdurft gehören, wohlbedächtig in Betracht genommen.

Die Alten ſind aber weit davon entfernt, dieſe Gebühr vollſtändig zu verbrauchen. Gewöhnlich wird davon noch erübrigt, und wenn bei endlichem Leerwerden des ſtillen Stübchens weiter nichts gefunden werden ſollte, ſo doch wenigſtens ein guter Vorrath von Garn, denGrotmoder für die Enkel geſponnen hat.

Zunächſt am Hauſe liegt dieToft, ein von uralter Zeit her einge⸗ friedigtes Stück Land. Neben dem Hofe befinden ſich gemeiniglich einige unregelmäßige Wirthſchaftsgebäude, ein Wagenſchuppen, eine Milchkammer u. ſ. w. Der Gemüſegarten wirdKohlhof, der Obſtgarten hinter dem⸗ ſelbenApfelhof genannt.

Die Dörfer ſind großentheils ſehr weitläufig und ohne beſtimmten Plan gebaut. Nur im öſtlichen Angeln, wo auf den adeligen Gütern die Ortſchaften unter dem Einfluſſe der Gutsherrſchaft entſtanden, erkennt man bisweilen eine regelmäßige Anlage. Wo freie Bauern wohnten, baute jeder Einzelne ſich da an, wo es ihm beliebte, doch wählte man, um Teiche zur Tränkung des Viehs zu gewinnen, häufiger die Niederungen, als die Höhen des hügeligen Landes. Die Gebäude aller Art ſind von Fachwerk,