Jahrgang 
4 (1855)
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468 Schleswig⸗Holſtein'ſche Bauern.

ſte in der Gegend von Gelting, im Dorfe Nieby, in Steinberg und in den herrlichen Kirchſpielen Sörup und Satrup.

Das alte Angler Haus iſt gleich dem alten Angler ſelbſt ein Mittelding zwiſchen Deutſch und Däniſch, aber mit ſtarkem Vorwiegen des erſteren. Es iſt, wenn man vom Schornſteine abſteht, den es mit dem Hauſe des Nordſchleswigers gemein hat, im Grunde nur das anders geſtellte Haus des Niederſachſen; denn auch in ihm befinden ſich Viehſtall und Dreſchdiele unter Einem Dache mit der Menſchenwohnung. Stets iſt es ſo gebaut, daß der eine Giebel nach Oſten, der andere nach Weſten ſteht, und ſtets blicken die Fenſter der Wohnſtube dahin, wohin der Sinn des Anglers ſtrebt, nach dem deutſchen Süden. Eine Durchfahrt in der Mitte der Langſeite ſchneidet das Ganze in zwei Hälften. Die Abtheilung rechts enthält die Wohngelegen⸗ heiten, die zur Linken Stall, Tenne und Scheune. Aus der Durchfahrt führt rechts eine Thüre nach der Küche, aus dieſer treten wir wieder ſüdwärts in die nicht ſehr geräumige, gewöhnlich mit Ziegelſteinen gepflaſterte Wohn⸗ ſtube. Das Hausgeräth iſt einfach, ein großer eichener Tiſch, einige hölzerne Stühle, Schemel und Bänke ohne Polſter, nur mit loſen Kiſſen belegt, eine Wanduhr, eine Lade und ein großmächtiger mit gelben Meſſingknöpfen ge⸗ zierter Ofen ſind in der Regel alles, was dahin gehört. Buntangeſtrichene Schieber verſchließen die in der Wand befindlichen Betten der Hausbewoh⸗ ner. Hinter der Wohnſtube, die auch hier Dörns heißt, liegt der Peſel, ein großer Saal, in welchem rings umher an den Wänden gewaltige Eichen⸗ truhen mit Eiſenbeſchlag von durchbrochener Arbeit, roth, grün oder blau bemalt, mit Blumen, Namenszügen und Jahreszahlen geſchmückt, ſtehen. In dieſen Kiſten ſind die Schätze der Familie an Bett⸗ und Leinenzeug, an Wollen⸗ und Baumwollenſtoffen aufgeſpeichert. Anderes ſchließt ein hoher, mit Schnitzwerk verzierter brauner Kleiderſchrank ein, der bei ſehr Vermögen⸗ den noch einen oder einige Genoſſen von gleicher Größe hat. Ein Nebengemach endlich, die Brautkammer genannt, enthält der Kiſten und Kaſten noch einige.

Der Peſel hat in der Regel keinen Ofen, und man bedient ſich ſeiner nur bei feſtlichen Gelegenheiten. Hier iſt die Hochzeit des Hausbeſitzers ge⸗ halten worden und hier wird die ſeines Nachfolgers im Eigenthum ſtatt⸗ finden. Hier haben ſich die Gäſte und Pathen am Tauftage der Kinder verſammelt. Hier endlich ſollen die Leichen der verſtorbenen Bewohner des Gehöoͤfts ſtehen, wenn ihre Zeit da iſt. Gar mancher Brauttanz iſt hier über die Steindiele gegangen, und gar mancher Sarg hat hier Leidtragende um