Von Bernd von Guſeck. 13
welche nicht heirathen, werden in der Regel in ſpätern Jahren etwas ſelbſt⸗ ſüchtig, weil ſie nur für ſich ſelbſt zu ſorgen, auf niemand Rückſicht zu nehmen haben.“—„Ich bin geſpannt auf Papas Heimkehr,“ ſagte Alma.
Graf Clemens war unterdeſſen ſehr unzufrieden mit den proviſoriſchen Einrichtungen, welche ſein Diener getroffen hatte.„Du biſt nun doch ſchon ſo lange bei mir, Ulrich,“ ſagte er,„daß du endlich gelernt haben könnteſt, wie ich es wünſche. Die Kleider zum Beiſpiel, in welcher Unordnung haſt du ſie in den Schrank gebracht,— die Fracks in der Mitte, die ich am wenig⸗ ſten brauche,— und wo finde ich meinen guten Rock, in welchem ich doch zum Diner erſcheinen muß?“—„Halten zu Gnaden, gnädigſter Herr Graf,“ verſuchte der alte Kammerdiener ſich in etwas Tiroler Dialekt zu entſchuldigen.
„Ich halte dir ſchon zu viel zu Gnaden, viel zu viel! Ich laſſe mir mehr von dir gefallen, als der Anſtand erlaubt: du tyranniſirſt mich förm⸗ lich. Mein Neceſſaire— wo biſt du denn damit geblieben? Auf dem Fen⸗ ſterbrett! Es iſt nicht zu glauben!“—„Gnädigſter Herr Graf, ich dachte—“*. —„Niemals, Ulrich,— du denkſt niemals, höchſtens an dich ſelbſt, wie du mich und meine Angelegenheiten am Schnellſten beſeitigen magſt, um deine eigene Perſon zu pflegen.— Reize mich nicht durch Widerſpruch, ſag' ich dir. Ich werde wieder ſelbſt befehlen müſſen, wo jedes Ding ſeinen Platz finden ſoll.“—
Um das zu thun, ſah er ſich auch für ſeine Perſon nach einem Platze im Zimmer um, aber ſo wohnlich und traulich es eingerichtet war, ein Möbel, wie er es für ſeine Bequemlichkeit ſuchte: einen Fauteuil oder eine Chaiſe⸗longue, fand er nicht und ſeufzend ließ er ſich endlich auf das kleine Sopha nieder. Hätte ihn Alma jetzt geſehen, wie er, oft ſeine Stellung wechſelnd, die er noch immer nicht behaglich genug fand, mit der peinlichſten Genauigkeit für die geringfügigſten Dinge ſeines Gepäcks, deſſen grandioſe Maſſe ſchon ihre ſtille Verwunderung erregt hatte, den Platz angab, ſie würde ihm neben dem Egoismus auch noch Pedanterie Schuld gegeben haben. Aber ſie war in eine angenehmere Beſchäftigung vertieft: der Bote aus dem nahen Städtchen, welcher mittlerweile eingetroffen war, hatte auch einen Brief an ſie mitgebracht, den ihr die Mutter lächelnd gereicht hatte. Sie las ihn eben jetzt und ihre Wangen hatten ſich mit einer lieblichen Röthe gefärbt.
„Wird Hellmuth kommen?“ fragte die Mutter.—„Er hofft in läng⸗ ſtens vierzehn Tagen hier zu ſein,“ erwiderte Alma.„Nur die verſpätete
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