Von Bernd von Guſeck. 11
wieder zu ſehen wähnte! Sein Ideal mit einer Küchenſchürze, welche ſie geſtändlich ſchon als Hofdame, alſo noch vor ihrer Verheirathung, getragen.
„Ihre Wirthlichkeit macht Ihnen gewiß alle Ehre,“ ſprach er.„Ich habe als Gargon“— das Wort nahm ſich wunderlich im Munde des alten grauen Herrn aus—„natürlich kein Urtheil über das Glück der Ehe, aber man liest ja in allen Journalen die Klage, daß es immer mehr gefährdet werde durch den Mangel aller Wirthlichkeit bei unſern jungen Damen. Ihr Bei⸗ ſpiel beweist auf das Glänzendſte, daß ſich vollendete Eleganz mit jener Tugend gar wohl vereinigen läßt;“— zufällig traf ſein Blick hier auf die allerdings nicht mehr geſchonte kleine Hand ſeiner Schwägerin und er fuhr, um den Eindruck nicht merken zu laſſen, welchen dies Argument zu ſeiner Behauptung auf ihn machte, faſt tumultuariſch fort:„gewiß haben Sie auch Ihr Töchterchen zu einer guten Wirthin erzogen, die einſt ihren Gemahl dadurch recht glücklich machen wird.“
„Alma hat einen durchaus praktiſchen Sinn und Blick,“ erwiderte die Mutter,„und ich hoffe, daß ſie einſt eine gute Hausfrau werden wird.“— „Praktiſch, gewiß, das iſt die Hauptſache im Leben,“ ſagte Clemens.„Phan⸗ taſterei führt, zu nichts, das Nützliche muß allem vorgehen. Ich habe mein Nichtchen gleich richtig erkannt, als ich ſie mit dem Fiſchnetz in der Hand am Ufer ſitzen ſah: gewiß ſchöne Forellen im Bache!“—„Das Netz hat eine andere Beſtimmung,“ bemerkte die Mutter lächelnd.„Es ſoll einen jungen Baum mit der Lieblingsfrucht meines Mannes bis zu deſſen Heim⸗ kehr vor den räuberiſchen Vögeln ſchützen.“—„Rührend! Alma liebt wohl ihren Papa ſehr?“
Sie trat eben ein, eine Platte mit Erdbeeren, Zucker, Milch und Wein in der Hand, welche ſie dem Oheim mit freundlicher Einladung bot. Er war ganz entzückt über ihre Aufmerkſamkeit, wie er ſagte:„Grade als ob Sie es in meiner Seele leſen könnten, daß mir Erdbeeren über alles gehen! Und dieſe köſtliche Sorte— beſſer habe ich ſie in Paris nicht gegeſſen!“ Dabei gehorchte er der Einladung ſo gut, daß faſt nichts in der kleinen Schaale übrig blieb, wies die gebotene Milch zurück, nahm dafür um ſo mehr Wein und Zucker und genoß dann das Labſal mit der Hingebung eines vollendeten Gourmands, langſam, mit halb geſchloſſenen Augen. Alma warf der Mutter einen lächelnden Blick zu, den dieſe aber mit dem Ausdruck eines ſanften Vorwurfs erwiderte.„Ihr Diener hat ſchon alle Koffer und Schachteln auf Ihr Zimmer gebracht, lieber Onkel,“ ſagte Alma dann.
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