Der Thalhof.
verſtecken oder unſeres Schrittes zu ſchämen; darum hat Cajetan auch ſeinen Namen nicht verändert und ſich nur einfach Ried genannt— wie es ja,“ ſetzte ſte lächelnd hinzu,„in vielen alten Familien üblich iſt, das Adelsprä⸗ dikat bei Unterſchrift und Nennung wegzulaſſen, weil es ſich bei ihren Geſchlechtern von ſelbſt verſteht,— zu Ihrer Beruhigung ſage ich das, lieber Clemens.“
„Aber— jetzt ſcheinen Sie, worüber ich mich ſehr freue, in vollkom⸗ men ſtandesmäßiger Lage zu ſein?“—„Laſſen wir das unſelige Wort, das auf unſere Lage hier nicht paßt,“ erwiderte ſie ſcherzend.„Sagen Sie lieber, wie es in meiner ſandigen Heimat provinziell iſt: wir ſitzen in der Wolle, — das meinen Sie doch? O ja— es geht uns, Gott ſei Dank, gut.“— „Das freut mich, freut mich. Und durch welchen Glücksfall haben ſich die Umſtände ſo ſchön verändert?“—„Durch Arbeit, lieber Schwager,“ ſagte die Gräfin gelaſſen.— Ein erzwungenes Lächeln ſollte den unange⸗ nehmen Eindruck verdecken, welchen dieſe höchſt unſtandesmäßige Aeußerung auf den zur Ruhe geſetzten Diplomaten machte.
„Auch das darf Sie aber nicht beunruhigen, theurer Clemens,“ ſetzte ſie gutmüthig hinzu.„Soviel hatten wir noch, daß wir uns den Grund und Boden zu einer Anſiedelung, wo er nicht theuer war, kaufen konnten, daß Cajetan nicht genöthigt war, wie ein Auswanderer im Urwalde, ſelbſt die Art und den Pflug in die Hand zu nehmen, daß wir uns gleich im Anfange Knecht und Wagen halten konnten. Unter Arbeit verſtehe ich die Thätig⸗ keit im Schaffen und Sorgen für den Ertrag, für neue Hülfsquellen, für guten Abſatz, ich verſtehe darunter die ſtete Aufſicht, die das Auge des Herrn
üben muß, wenn er Segen für ſeine Mühen erwarten will.“—„Ah!“ er⸗ widerte Graf Clemens erleichtert.„Darin bin ich ganz mit Ihnen einver⸗ ſtanden. Aber Sie, die in Ihren Hofkreiſen ſo gar nicht—“.—„Erlauben
Sie,“ unterbrach ihn Mathilde mit dem Lächeln, das ihrem trotz ihrer fünfzig Jahre noch immer anmuthigen Geſichte ſo wohl ſtand,„ich habe Ihnen, was mich betrifft, das Geſtändniß abzulegen, daß ich ſchon ſeit meiner Ver⸗ heirathung aus beſonderer Paſſion getrachtet habe, eine gute Wirthin zu ſein,— ja, daß Sie mich zu Ihrem Entſetzen ſogar, als ich noch am Hofe war, hätten mit einer Kattunſchürze in meiner Küche finden können.“
Der Graf nahm eine ſehr große Priſe: welcher ironiſche Satan rief ihm in dieſem Augenblicke ſeine heutige Anwandlung auf der Höhe zurück, als er in der weiblichen Geſtalt, welche aus dem Hauſe trat, Mathilden


