Jahrgang 
3 (1855)
Einzelbild herunterladen

72 Aus dem Gebiete der Länder⸗ und Völkerkunde.

manchmal mit ſehr werthvollen Edelſteinen verzierten Scheide. Dieſe Lang⸗ haarigen züchten die ſchönſten Pferde in der Mangolei, ſind mannhaft, kurz angebunden, von wildem Unabhängigkeitsſinn, und derb und kräftig im Aus⸗ druck ihrer Rede. Sie geben in Tang Keu Eül den Ton an, machen die Mode, und da alles ihnen nachäfft und eben ſo tapfer und unbändig erſchei⸗ nen will, ſo hat die ohnehin ſehr unſaubere, mit Dieben und Gaunern über⸗ füllte Stadt das Anſehen eines Räuberneſtes.

In dieſer Stadt ſchloßen ſich Huc und Gabet der großen Geſandtſchafts⸗ karawane an, welche von Peking nach Lhaſſa zurückkehrte; die vier Monate dauernde Reiſe war mit unendlichen Beſchwerden verbunden. Sie ging von Anfang bis zu Ende nur durch Steppenwüſten und über beſchneiete Alpen⸗ gebirge, mitten im Winter, bei entſetzlicher Kälte. Nicht ohne lebendige Theil⸗ nahme und einige Rührung liest man die Schilderung der Müſhſeligkeiten, welche dieſe eifrigen Lamas aus dem fernen Abendlande zu erdulden hatten. Nachdem ſie in der Mitte Novembers die fetten Weiden am blauen See, Kuku Noor, verlaſſen, gewinnt das Land weit und breit ein ödes, düſteres Anſehen; der dürre und ſteinige Boden iſt überall mit Salz geſchwängert. Aus dieſen Ebenen der Mongolen von Tſaidam erhebt ſich das Gebirge Burhan Bota; jäh und ſteil fällt es ab und iſt nur unter äußerſter An⸗ ſtrengung zu erklimmen. Die Reiſenden geben folgende Darſtellung:Bald wollte oder konnte kein Pferd ſeinen Reiter mehr tragen; wir alle mußten abſteigen und gingen mit kleinen Schritten vorwärts. Alle Geſichter wur⸗ den bleich, wir verſpürten Uebelkeit, die Beine wollten uns kaum noch weiter tragen. Man legt ſich an die Erde, ſteht wieder auf, macht einige Schritte und legt ſich abermals hin. So macht man die Reiſe über den Burhan Bota. Großer Gott, was iſt das für ein Elend! Man fühlt, daß alle Kräfte ſchwinden; es wirbelt einem im Kopf, alle Glieder ſind wie ausgerenkt, das Unwohlſein gleicht der Seekrankheit. Und doch muß man ſich zuſammen nehmen, vorwärts gehen, unabläßig auf die armen Thiere ſchlagen, die bei jedem Schritte niederſinken und nicht wieder aufſtehen wollen. Man mußte eilen, um den Gipfel zu erreichen; denn es iſt eine Eigenthümlichkeit des Burhan Bota, daß an ſeiner Nord⸗ und Oſtſeite die Abhänge mit kohlen⸗ ſaurem Gaſe gleichſam überzogen ſind, während auf der andern Seite die Luft rein iſt. Man ſpürt bei unruhigem Wetter kaum etwas von den böſen Dünſten, aber bei ſtillem heiterm Himmel ſind ſie ſehr gefährlich. Das Gas iſt ſchwerer als die atmoſphäriſche Luft, verdichtet ſich über der Oberfläche