Jahrgang 
3 (1855)
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Von Hermann Emmerich. 71

ein buntes Durcheinander von Mongolen, Chineſen, Oſtthibetanern oder Sifan, Hug Mao Eül oder Langhaarigen, Kolo, Tartaren vom blauen See und Muſelmännern aus Turkeſtan bilden. Keiner traut dem andern, alle gehen bewaffnet, ſtets bereit auf der Gaſſe mit dem erſten beſten Gegner einen blutigen Streit auszufechten. In dieſem Völkergewirr ſpielen die Hug Mao Eül eine Hauptrolle. Alljährlich kommen ſie in großen Karawanenzügen aus ihrer Heimat an den Abhängen des Bayankharatgebirges nach der Stadt, um gegen Landesprodukte allerlei Waaren einzutauſchen. Inzwiſchen weidet ihr Vieh in der Umgegend. Eben damals als die Miſſionäre in Tang Keu Eül ſich befanden, trieben Koloräuber, welche die Wüſte unſicher machen, die Verwegenheit bis zu einem ſo hohen Grade von Unverſchämtheit, daß ſie denLanghaarigen, denn ſo werden jene wilden Söhne des Gebirges ge⸗ nannt, einige tauſend Ochſen ſtahlen. Die öffentlichen Weiden jener Stadt ſind den chineſiſchen Behörden unterworfen, welche dort polizeiliche Aufſicht halten ſollen. Das war verſäumt worden. Deßhalb ſtürmten die Lang⸗ haarigen in aufgeregten Rotten mit dem Säbel in der Fauſt zu den Manda⸗ rinen und ſchrieen um Rache und Gerechtigkeit. Sogleich mußten zweihun⸗ dert chineſiſche Soldaten ausrücken, während die Beraubten ſelber zu Pferde ſtiegen, um das weggetriebene Vieh wieder zu holen. Allein die Räuber hatten einen weiten Vorſprung gewonnen, und den feigen Chineſen lag nichts daran, handgemein zu werden. Sie ſchlugen an einem Bach ihre Zelte auf, verzehrten die mitgenommenen Lebensmittel wohlgemuth, und kehrten dann heim mit dem Bericht, daß in der Steppe von Räubern keine Spur zu ent⸗ decken ſei. Einmal freilich habe man geglaubt ſie erwiſchen zu können, aber die Hexerei habe alles verdorben. Denn man glaubt in jenen Gegenden alles Ernſtes, daß die Räuber Hexenmeiſter ſeien und ſich unſichtbar machen können, wenn ſie einige Hammelknochen nach hinten über die Schulter wer⸗ fen oder über die Handfläche den Hauch ihres Mundes blaſen. Die Lang⸗ haarigen ſind ein unbändiges Geſchlecht: auf den erſten Blick erkennt man ſie für das, was ſie in der That ſind, Söhne der Wildniß. Sie tragen zottige Röcke aus Schaaffell, das meiſt den Boden ſtreift, und wenn aufgeſchürzt nur bis an die Knie reicht. Dann ſieht der Hug⸗Mao⸗Eül einem aufgebla⸗ ſenen Schlauch ähnlich. Seine weiten Lederſtiefel reichen nur bis an die Wade hinauf, die Beine bleiben unbekleidet, das ſchwarze fettige Haar fällt in langen Zotteln über Schultern und Geſicht hinab, der rechte Arm bleibt immer nackt. Im Gürtel ſteckt quer vor dem Leibe ein langer Säbel in einer