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Von Hermann Emmerich. 67
andere tragen die Leichen auf einen Berg, oder werfen ſie in eine wilde Schlucht oder in die platte Steppe, zur Beute für wilde Thiere und Raub⸗ vögel, in ähnlicher Weiſe wie es bei den Parſi's der Fall iſt. Reiche Fa⸗ milien verbrennen ihre Todten in einem Begräbnißofen unter Anleitung von Prieſtern, welche die Knochen zu Staub zerreiben, dieſen mit Weizen⸗ mehl vermiſchen und Kuchen daraus backen; dieſe werden pyramidenförmig in einem zum Grabmal beſtimmten Thürmchen beigeſetzt. Dergleichen Grabthürme ſind in der Mongolei in großer Menge vorhanden, namentlich auf Bergen und in der Nähe der Klöſterſtädte.
Es iſt ein eigenthümliches Leben und Treiben in dieſen letzteren, ganz verſchieden von dem Mönchs⸗ und Kloſterweſen der Chriſten, obwohl der buddhiſtiſche Cultus im Uebrigen mit dem römiſch⸗katholiſchen ſo genau und bis in viele kleine Einzelnheiten übereinſtimmt, daß die beiden katholiſchen Miſſionäre mehrere Seiten anfüllen, um alle dieſe Aehnlichkeiten aufzu⸗ zählen. Die Buddhiſten haben nicht vereinzelt liegende Klöſter ſondern Kloſterortſchaften, in denen alles dem geiſtlichen Stande angehört, wo bis zu zwanzigtauſend und noch mehr Geiſtliche zuſammenleben und alle mög⸗ lichen Hantierungen treiben. Wir wollen dem Leſer ein eigenthümliches Bild vorführen. In der ſüdlichen Mongolei, etwas ſüdöſtlich vom Kuku Noor, dem blauen See, liegt die Kloſterſtadt Kunbum. Unter den drei⸗ hundert Millionen Bekennern Buddhas ſteht ſie im Rufe hoher Heiligkeit, dort wollten die beiden Miſſionäre überwintern. In Begleitung eines Lama, den ſie zum Sprachlehrer angenommen, verlaſſen ſie die geräuſchvolle Handelsſtadt Tang Keu Eül und machen ſich auf den Weg. Als ſie noch etwa eine halbe Stunde Weges von Kunbum entfernt ſind, beginnt es zu dunkeln; aber vier Bekannte ihres Sprachmeiſters ſind ihnen entgegenge⸗ kommen, Männer in geiſtlicher Tracht, mit rother Schärpe und gelber Biſchofsmütze. Sie nahen ſich den Fremden mit gemeſſenem Gang, ihre Worte ſind ernſt, würdig und werden mit leiſer Stimme geſprochen. Als der Wagen, welcher das Gepäck der Fremdlinge aus dem fernen Abendlande trägt, bei den erſten Häuſern der Kloſterſtadt anlangt, muß er halten, und die vier Lamas beeilen ſich alle Glocken am Halſe der Pferde mit Stroh aus⸗ zuſtopfen. Denn die heilige Ruhe darf nicht geſtört werden; der Zug geht langſam und unter tiefem Schweigen durch die öden Gaſſen dieſer Lamage⸗ meinde.— Der Mond war ſchon untergegangen, aber beim hellen Schein der Geſtirne konnten die Reiſenden deutlich erkennen, wie die Häuſer der
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