66 Aus dem Gebiete der Länder⸗ und Völkerkunde.
manche Fürſten eine Reiſe von zwei bis dreihundert deutſche Meilen machen!
Der Kaiſer läßt ihnen allen eine freilich keineswegs erhebliche Jahres⸗ ſumme verabfolgen, die ſie bei ihrer Anweſenheit in Peking ausgezahlt er⸗ halten. Davon bleibt allemal viel an den Fingern der Finanzmandarinen kleben, und der Kaiſer ſelbſt hat ſich kein Gewiſſen daraus gemacht, Falſch⸗ münzerei zu treiben und die gutmüthigen Mongolen zu betrügen, denn er gab ihnen ſtatt der Silberbarren nur verſtlberte Kupferſtangen. Das war zu jener Zeit, da der Krieg mit den Engländern den chineſiſchen Staats⸗ ſchatz trocken gelegt hatte. Die Mongolen durften natürlich„den alten Buddha,“ den„Sohn des Himmels,“ nicht der Falſchmünzerei beſchuldigen, ſondern nur annehmen, daß von Seiten der Mandarinen ein unfreiwilliger Irrthum ſtattgefunden habe.
Es bleibt auffallend, daß bei einem ſo gutmüthigen und milden Volke wie die Mongolen, einzelne Gebräuche ſich erhalten konnten, die einen grellen Gegenſatz zu dem ganzen übrigen Sein und Weſen dieſer Nomaden 1 bilden. Manchmal kommt es nämlich vor, daß man die Könige in wahrhaft
7 barbariſcher Weiſe begräbt. Man bauet nämlich ein Grabgebäude, das mit 5 4 Standbildern ausgeſchmückt wird; dieſe ſtellen Menſchen, Löwen, Tiger, * 9 Elephanten und verſchiedene Gegenſtände aus der buddhiſtiſchen Fabellehre 3 dar. In dieſes Haus bringt man die Leiche, welche in einem ausgemauerten
2 Tiefgewölbe neben Gold, Silber, Cdelſteinen, Prachtgewändern, Waffen 2 und anderen Dingen beigeſetzt wird, die der verſtorbene König etwa in
einem andern Leben ungern vermiſſen würde. Dann ſucht man eine Anzahl Kinder aus, Knaben und Mädchen ſo ſchön ſie nur zu finden ſind, und läßt ſte ſo lange Queckſilber verſchlucken, bis ſie daran erſticken. Dadurch, ſagen
die Mongolen, behalten ſie ihre friſche blühende Geſichtsfarbe. Man ſtellt ſie aufrecht um die Leiche des Königs herum, damit ſie im Nothfall ihm i alle Dienſte verrichten, die er im Jenſeits verlangt. Sie halten Tabaks⸗ pfeife, Schnupftabaksfläſchchen, Fächer und dergleichen in den Händen. Und damit die verſtorbene Majeſtät nicht in ihrer Grabesruhe geſtört, der
.„... d:. 2 Schatz nicht geraubt werde, hat man am Eingang eine Höllenmaſchine eige⸗ I ner Art angebracht, die eine große Menge von Pfeilen zugleich abſchießen und
den Eindringling im Augenblicke todt niederſtrecken würde. Im Uebrigen ſind die Begräbniſſe ohne grauſame Zuthat und in den einzelnen Landestheilen verſchieden. Einige Völker begraben die Todten,


