Jahrgang 
3 (1855)
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64 Aus dem Gebiete der Länder⸗ und Völkerkunde.

antwortete mit verbindlicher Handbewegung:Männer des Gebets, bei euch möge ſtets Friede weilen!

Ein alter weißbärtiger Lama auf einem Prachtroſſe leitete das vordere Maulthier des königlichen Palankins am Zaume; er war Leiter und An⸗ führer der Karawane. Es iſt hergebracht, daß man dieſes Amt einem der geachtetſten Geiſtlichen anvertraut; die Mongolen meinen, jeder Unfall werde von ihnen fern bleiben, ſo lange ein Vertreter der Gottheit an ihrer Spitze ziehe.

Der Palankin war von einer berittenen Ehrenwache umgeben; dieſe mongoliſchen Cavaliere tummelten munter ihre herrlichen Gäule. Gleich hinter dem König ſchritt ein prächtiges weißes Kameel einher, von einem Jüngling an ſeidenem Bande geleitet und unbeladen; es war zum Geſchenk für den Kaiſer beſtimmt; die beiden fetten und prallen Höcker hatte man mit ſeidenen Fähnchen geſchmückt. Nachher kamen die Laſtthiere und Troßknechte.

Gegen Abend ſaßen Huc und Gabet an einem Wüſtenbrunnen und kochten Thee; die Karawane war längſt weiter gezogen, da kamen abermals drei Mongolen angeſprengt, einer vom rothen, die beiden andern vom blauen Knopfe, und fragten welchen Weg der König der Aleſchan genommen habe. Nachdem ſie Auskunft erhalten, beſchloſſen ſie nicht weiter zu reiten, ſondern die Nacht über im Zelte der abendländiſchen Lamas zu bleiben. Dieſe drei Männer waren Taitſi oder hohe Beamte des Königs, jener vom rothen Knopf ein Miniſter, die hatten einen befreundeten Fürſten der Ordos beſucht und ſich ein wenig verſpätet. Alle drei waren offene gutmüthige Männer von feiner Sitte, und wenn ſie viel fragten über die Länder gen Abend, ſo erzählten ſie hingegen auch viel von den Ländern gen Son⸗ nenaufgang. Der Mandarin vom rothen Knopf berichtete Folgendes über die große Cour am Kaiſerhofe.

Alle Fürſten der Welt müſſen zum Neujahrsfeſt in Peking erſcheinen. Vor dem alten Buddha, nämlich dem Kaiſer, dürfen nur die Fürſten ſich niederwerfen; wir übrigen haben dieſe Ehre nicht und erſcheinen lediglich als Gefolge unſerer Könige. Die unter chineſiſcher Oberherrlichkeit ſtehenden Monarchen ſtellen ſich in Peking vor, um den Beweis zu liefern, daß ſie gehorſam und unterwürfig ſeien; dann auch um dem Kaiſer, deſſen Vaſallen ſie ſind, Geſchenke zu überbringen, die jedoch im eigentlichen Sinne des Wortes ein Tribut ſind, und in Kameelen und ſchönen Pferden be⸗

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