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Von Hermann Emmerich. 59
Bücher und gedruckte Wegweiſer, damit ſie auf der Weiterreiſe nicht irre gehen. Noch mehr, der Premiermeiſter des Papſtes zu Lhaſſa räumt ihnen eins ſeiner Häuſer ein, bewirthet ſie einige Monate lang, gibt ihnen ſeinen Neffen als Lehrer der thibetaniſchen Sprache, erlaubt mit Freuden, daß ſie eine katholiſche Kapelle mit allem Kirchenſchmuck einrichten, daß ſie in derſelben beten und lehren; er fordert ſie ſogar auf ihren Glauben zu ver⸗ künden. Der thibetaniſche Regent ſagte den chriſtlichen Miſſionären:„Ich würde es für ein großes Unrecht halten, euch in den Weg zu treten. Denn habt ihr recht, ſo iſt es für Andere Pflicht, ſich zur Wahrheit zu bekennen; haben wir recht, ſo werdet ihr als redliche Männer die Lehre Buddhas an⸗ nehmen müſſen. In Glaubensſachen iſt Zwang üben verwerflich und fre⸗ velhaft; die Wahrheit bedarf des Zwanges nimmermehr.“—
Die franzöſiſchen Mönche ſind Ehrenmänner; ſie erzählen alles was ſie erlebten, wahrhaft, ehrlich, aufrichtig, ſie ſind Chriſten von der recht⸗ ſchaffenen Art, ohne alle Süßelei. Daß ſie es unterlaſſen, der mongoliſch⸗ thibetaniſchen Hochherzigkeit gegenüber Vergleiche anzuſtellen und den Geiſt des Fanatismus und der Ausſchließlichkeit mancher Abendländer hervorzu⸗ heben, mögen wir ihnen nicht verargen. Kein einziges mal hat man ſte irgendwie ihres Glaubens wegen behelligt, iſt gegen ſie vielmehr ſtets und überall mild, liebreich, zuvorkommend geweſen, in einer Weiſe, für welche den Europäern der Maßſtab, weil der Begriff, abgeht. Es iſt von den„Bar⸗ baren“ doch mitunter allerlei Nachahmenswerthes zu lernen! Freilich nicht von den Chineſen, dieſen ſchlauen, abgeriebenen und abgetriebenen Leuten, die von keinem andern Volke der Welt an Schachergeiſt und Verſchmitztheit übertroffen werden, nicht einmal von Yankees oder Armeniern. Und doch iſt der Armenier, was Handel und Wandel anbelangt, ein neunmal durch⸗ geſiebter Jude, und der Yankee ein neun und neunzigmal durchgeſiebter Armenier.
Gleich im Anfang der Reiſe, welche die Miſſionäre zu Anfang des Jahres 1844 antraten, wohnten die beiden chriſtlichen Sendboten dem Feſte der Mondsbrode bei. Sie waren von einem alten Mongolen in ſein Zelt eingeladen worden. Jenes Feſt bezieht ſich auf den uralten Geſtirncultus, welcher der Buddhaverehrung Platz gemacht hat. Für die Chineſen hat es eine nationale Bedeutung. Denn als 1368 eine Verſchwörung im ganzen Reiche ausbrach, um das Joch der Nachkommen Oſchingiskhans abzuwerfen, wurde am Tage dieſes Feſtes das Zeichen zu einem Gemetzel gegeben, das
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