Jahrgang 
3 (1855)
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56 Aus dem Gebiete der Länder⸗ und Völkerkunde.

Reiche fanden, deſſen Bewohnerzahl jene unſres eigenen Erdtheils um ein volles Drittel überſteigt.

Das alte Dunkel verſchwindet, von allen Seiten fallen abendländiſche Lichtſtrahlen in das Land, von wo aus die Sonne kommt. Dieſer ferne Orient iſt gerade gegenwärtig in allen ſeinen Tiefen aufgewühlt, und fieber⸗ haft durchzittert bis zu jenen Steilklippen, wo das große Weltmeer an die japaniſche Eilandflur brandet. Der Kaiſer welcher zu Jeddo thront, hat die Pforten ſeines ſo lange verſchloſſenen Reiches dem zudringlichen Aus⸗ länder eröffnen müſſen, welcher ihm Dampfkeſſel und Eiſenſchienen, elektri⸗ ſche Telegraphen und congreviſche Raketen ſammt Pairhanskanonen brachte. Der große Khan in Peking, Sohn des Himmels und Beherrſcher des Reiches der Blume der Mitte, fühlt die Säulen ſeines Prachtpalaſtes wanken. Die Teufel welche aus dem Meere ſtiegen, die rothhaarigen Ausländer, hatten ihn gezwungen fünf Seehäfen dem allgemeinen Weltverkehr zu eröffnen. Aber von jenem Tage an war auch ſeine Macht untergraben; der chineſiſche Unterthan glaubt nicht mehr an die Allmacht ſeines Herrſchers. In einem Zeitraum von nur zwölfhundert Jahren hat das himmliſche Reich in fünf zehn gewaltigen Revolutionen nicht weniger als fünfzehmal ſeinen Herrſcher⸗ ſtamm gewechſelt. Nun iſt der Geiſt der Rebellion wieder einmal in die Chineſen gefahren, und der Tag vielleicht nicht fern, an welchem die Mand⸗ ſchudynaſtie zurückweichen muß hinter jene große Mauer, welche ſich nie als ein ſicheres Bollwerk gegen die ſtreitbaren Mongolen bewährt hat.

Das Opium und die europäiſchen Waarenballen ſind für China ge⸗ fährliche Hebel zum Umſturz geworden, noch gefährlicher für das Mandari⸗ nenthum und den Mandſchukaiſer wurden neue Ideen und ſchlechte Verwal⸗ tung. Die Rebellion zerrüttet nun ſchon ſeit Jahren China; ſie iſt mehr oder weniger zugleich eine religiöſe und ſociale, eine ſtaatliche und volks⸗ thümliche. Die Anhänger des Tien te haben mit dem Heidenthum gebrochen, indem ſie die Einheit des göttlichen Weſens verkünden, die Pagoden nieder⸗ reißen und die Bonzen erſchlagen. Man hat chriſtliche Einflüſſe als wirk⸗ ſam bei dieſem Umſturz angenommen; ich glaube mit Unrecht. Die Zahl der Chriſten in China iſt ſchwach, dieſeBekenner des Himmelsherrn, leben zerſtreut umher, ſind ſchüchtern und ohne allen Einfluß. Was die Auf⸗ ſtändiſchen an altteſtamentariſchen Verbrämungen in ihren Proklamationen haben, ſcheint chineſiſchen Schriften entlehnt zu ſein, in welche bekanntlich aller⸗ lei Bibliſches übergegangen iſt. Das Voranſtellen der Einheit des gött⸗