Jahrgang 
3 (1855)
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Aus dem Gebiete der Fänder- und Völkerkunde.

Von

Hermann Enmerich.

Zwei Glaubensboten im fernen Aſien.

Darf ich die Aufmerkſamkeit Ihrer Leſer einmal nach dem fernen Aſten lenken? Vielleicht wird es ſich lohnen einen Blick auf Länder und Völker zu werfen, deren Zuſtände gerade in unſeren Tagen ein hohes Intereſſe in Anſpruch nehmen. Denn es geht eine ungeheuere Bewegung durch die ganze öſtliche Welt. Jenen weit abgelegenen äußerſten Orient, der ein Eigenthum des Menſchenſchlages mit weizengelber Hautfarbe iſt, ſtellt der Europäer ſich gewöhnlich ſtarr und unbeweglich vor, aber mit Unrecht. Auch dieſer Oſten hat eine reiche, ungemein mannigfaltige Geſchichte, ein buntes Völkerleben, gewaltige Kriegshelden, weiſe Geſetzgeber, einen ſchwung⸗ haften Handelsverkehr, eine blühende Gewerbſamkeit aufzuweiſen. Japan imponirt durch ſeine einſame Majeſtät, China iſt ein uraltes Kulturreich, und Thibet das heilige Land für einige hundert Millionen Buddha⸗Verehrer, die Mongolei das Vaterland Dſchingiskhans und Timur's.

Dieſe öſtliche Welt iſt bis auf die neueſte Zeit uns Europäern nur theilweiſe und mangelhaft bekannt geweſen. Für das Alterthum war ſie mit einem dichten Nebelſchleier überzogen; im Mittelalter drangen nur ein⸗ zelne kühne Reiſende in jene ſagenhaften Reiche des aſtatiſchen Prieſters Jo⸗ hannes und des großen Khans von Kathay. Erſt den Miſſionären der Chriſten war es vorbehalten in das Innere Chinas zu gelangen; europäiſche Geſandtſchaften konnten die Hauptſtädte beſuchen und Kunde über die wun⸗ derbare, ganz eigenartige Bildung und Geſittung geben, welche ſie in einem