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Von J. D. Walter. 53
Man getraute ſich kaum hie und da eine Flaſche anzurühren, da der Gedanke, daß das alles ſeit hundert Jahren unverändert ſo belaſſen worden war, dem Ganzen einen ehrwürdigen Zauber verlieh und jede profane Berührung zu verbieten ſchien. Und in der That konnte es Einen ſchwindlig machen, daran zu denken, daß hier vielleicht zwei oder drei Jahrhunderte alte Leiſten⸗ und Steinweine gut conſervirt aufgeſpeichert lägen.„Ach,“ ſeufzte heim⸗ lich manch Einer von den armen Schluckern im Keller drunten,„wenn auf meinen Part nur vom ſauerſten Sommeracher oder Volkacher ein heidel⸗ berger Fäßlein voll käme, ich wollte gern hundert Seelenmeſſen für die alten, unglücklichen Franziskaner leſen laſſen, die in ihren Sünden da⸗ hinfahren mußten, ohne daß es ihnen vergönnt geweſen wäre, den Wein fertig zu trinken.“ So calculirten die Maurer und Zimmerleute; die neuen Beſitzer aber warfen ihr Augenmerk zunächſt gar nicht auf die Flaſchen, die ihnen nun doch nicht mehr entgehen konnten; ſie ſahen ſich vielmehr mit ungetheilter Auſmerkſamkeit nach jenem klingenden Kloſterſchatze um, den ihnen ein geſchwätziges Stadtgerücht bereits angedichtet hatte. Aber von eiſernen Kiſten war nirgends eine Spur zu finden. Doch gelangte man endlich vor eine Treppe, an deren Ende ſich eine verſchloſſene Thür befand. Hier war offenbar der Eingang zu den vergrabenen 100,000 Goldgulden. Und in der That, wie hätten die Mönche ihren Schatz beſſer verbergen ſol⸗ len! Ein künſtlich verſtecktes, zugemauertes Gelaß verbirgt die einzige und obendrein unzugängliche Oeffnung, die erſt gewaltſam erweitert werden muß, wenn man in den Keller gelangen will, in deſſen hinterſten Räumen noch einmal eine Thüre von feſterer Conſtruction, als die Schloſſer dieſes Jahr⸗ hunderts zu verfertigen im Stande ſind, den Schatz verſchließt. So viel ließ ſich ſofort bei'm unſichern Schein des flackernden Lichtes erkennen, daß man ſich vor einer Thüre von ſtarkem, auf eiſerne Stäbe genietetem Eiſen⸗ blech befand, deren Beſchläge und Pfannenbalken in trotziger Stärke nichts zu wiſſen ſchienen von den Jahrhunderten, nach denen ihre Dienſtjahre dreiſt geſchätzt werden durften. Man rüttelte daran,— vergebens! Brecheiſen wurden angeſetzt, aber die alten eiſernen Angeln waren feſter. Da holte man Aexte. Ein Schlag dawider, daß es dröhnte. Die Thüre konnte un⸗ möglich lange mehr Widerſtand leiſten.
Auf einmal raſſelte ein Schlüſſelbund hinter derſelben, und im Schlüſſel⸗ loch ward der Knopf eines Schlüſſels ſichtbar, der ſachte umgedreht zu wer⸗ den ſchien. Der Zimmermann, der eben zum zweiten Schlag ausholen
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