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Von J. D. Walter. 51
Es iſt männiglich bekannt, daß im Sommer des Jahres 18— die Cholera auch N. heimſuchte, und merkwürdiger Weiſe ging ſie an all den winkeligen Straßen vorüber, verſchonte die Quartiere der Armuth und kehrte im reichſten Hauſe, dem mehrfach erwähnten, zuerſt ein. Der Beſitzer und ſeine Frau, denen das Glück nur eine Gunſt, Kinder, verſagt hatte, erlagen ohne Leibeserben der gräßlichen Seuche an einem und demſelben Tage. Die Kunde dieſes Gerüchts durchlief die Stadt wie ein Lauffeuer und vermehrte den pani⸗ ſchen Schrecken. Der ſtrenge Winter war der einzige Arzt, der gründlich helfen konnte. Bei ſeinem Eintritt athmeten die Bewohner von N. wieder freier auf. Da kam das Haus zum„Verſtrich“ und wurde von zwei Kaufleuten acquirirt, die eine Fabrik darin etablirten. Zu dieſem Ende mußten bedeu⸗ tende bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Neunzig Arbeiter waren beſtändig im Hauſe beſchäftigt. In Folge deſſen kamen ſonderbare Schätze ans Licht.
Man kanns dem Hauſe unmöglich von außen anſehen, daß es auf dem Grund und Boden eines alten Franziskanerkloſters ſteht, von dem, beſonders in dem Hinterbau, der an das Muſeum anlehnt, noch vielerlei Mauerwerk unverändert erhalten worden iſt. Hier ſtießen die neuen Beſitzer auf ein zugemauertes Gemach, das ſofort geöffnet wurde. Darin fanden ſie ein weibliches Skelett, einen alten Grabſtein und ein Kellerloch. Das weibliche Skelett befremdete am wenigſten. Derartiges hat man in Mannsklöſtern ſchon ſo oft gefunden, daß es für die Leute den Reiz der Neuheit verloren. Der Grabſtein aber, der die Inſchrift des Jahres 1446 trug, reizte grade ſeines hohen Alters wegen einen Verein, daß er ſofort drei Louisd'ore für denſelben bot. Jetzt blieb von dem ganzen intereſſanten antiquariſchen Funde nur noch das Kellerloch übrig, deſſen Entdeckung für die Beſitzer freilich von ungleich höherem Werthe erſchien, als Skelett und Grabſtein. Sonder⸗ barer Weiſe hatte das Haus keinen Keller, und es war doch undenkbar, daß die alten Franziskaner ohne Keller ſo reich an irdiſcher Glückſeligkeit geweſen ſein ſollten, wie die Sage ging. Hier war er endlich aufgefunden, den man ſo lange und ſchwer vermißt hatte. Das Haus war dadurch offen⸗ bar um tauſend Gulden im Werth geſtiegen. In der Stadt cireulirten die unheimlichſten Gerüchte. Das Skelett, der Grabſtein und das Kellerloch konnten die Neugier nicht ganz befriedigen, man fügte ſchwere eiſerne Kiſten hinzu, in denen ſich 20,000, nach Andern 30,000, dann 40,000 und jeden Tag 10,000 mehr, bis endlich gar 100,000 Goldgulden befunden haben
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