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Von Hermann Schmid. 49
Werkleute, das Ding werde doch nicht lang dauern und es ſei auch ſchade um die koſtbaren Spiegel. Sie zogen alſo die ſeidnen Tapeten drüber, daß man nichts merkte. In der Länge der Zeit war nun die eine davon mürbe ge⸗ worden und hatte ſich abgelöst. Dadurch wurde ein Spiegel frei, der Menſchenfeind ſah ſich darin und bildete ſich ein, daß er nun ſterben müſſe. In der Einbildung iſt er er auch richtig g'ſtorben, und iſt dabei geblieben, keinen Menſchen anzuſchaun. Immer behielt er das Tuch überm Geſicht, ſelbſt wie der Herr Pfarrer kam, der doch bei ihm war bis ans End’. Das Schloß iſt dann verkauft worden, und bei der Verſteigerung habe ich die alten Bilder erſtanden, die droben hängen. Ich war damals ein junger Burſch und erinnere mich noch wohl an den Grafen, wie er in der Kapelle auf dem Paradebett lag. Er konnte ſeine ſtebzig Jahre alt ſein, und hatte ein gutes Geſicht, daß man nicht hätte glauben ſollen, daß er im Leben ein ſolcher Narr geweſen.“
So erzählte der Wirth, und ich verabſchiedete mich, um noch den öden Räumen des Schloſſes einen Beſuch abzuſtatten. Die Zimmer waren faſt alle leer, unbewohnt und unverſchloſſen. Niemand hielt mich an, niemand fragte, was ich wollte. In einem Eckzimmer mit wunderbarer Ausſicht über See und Gebirge glaubte ich das Wohnzimmer des Todtenſehers zu erkennen. Mindeſtens hingen zerriſſene ſeidne Tapeten über erblindete Spiegelreſte herunter.
Jetzt war Hopfen in dem Gemache aufgeſchüttet.
Später lernte ich einen Verwandten des Lſchen Hauſes, von einer Seitenlinie kennen. Ihm erzählte ich, was ich wußte, und gelangte ſo zu einer Abſchrift des Bildes. Dieſes ſelbſt iſt wieder in den Händen der Familie.
Hausblätter. Jahrg. 1855. III. Bd. 4


