Jahrgang 
3 (1855)
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48 Das Todten⸗Geſicht.

die Kunde mit ins Grab zu nehmen, denn es würde nur Confuſton ſtiften und großes Herzeleid bringen über die Menſchen. Beſſer darum, daß ſie in der Unwiſſenheit verbleiben.

Auch das Todtengeſtcht nehme ich mit, und ſoll nach mir niemand ſo unglücklich werden als ich es geweſen. Schriebs und vollendete das am Tage Epiphanias, alſo daß ich ſeit dem Anfange gerade ein Jahr dazu gebrauchet. Betet für mich, alle, die ihr dieſes leſet.

Am andern Tage, ehe ich weiter wanderte, unterließ ich nicht, mich bei dem Wirthe über das Bild zu erkundigen.

Der Morgen war herrlich. Das Gewitter hatte alles erfriſcht und verſchönt und der Himmel lag über dem Thale und dem Seeſpiegel wie eine blaue Criſtallſchale. Während ich in der in den See vorſpringenden Eck⸗ laube des Hausgärtchens mein Frühſtück einnahm, ſetzte ſich der redſelige Wirth zu mir und gab mir bereitwillig zum Beſten, was er wußte. Daß ihm der Inhalt der Handſchrift unbekannt war, zeigte ſich bald.

Sehen Sie, ſagte er,das Kurze und Lange von der Geſchichte iſt, daß der Herr, ders gemacht hat, ein Narr geweſen iſt. Es war der Graf, dem das Schloß da drüben gehört hat. Der war ein ſolcher Menſchenfeind, daß er gar niemand ſehen wollte, nicht einmal ſich ſelber. In den Zimmern, die er ſich herrichten ließ und wo er wie ein Gefangener lebte, hat darum auch kein Spiegel ſein dürfen. Die Thür zu ſeinen Zimmern war von ſchwerem Eiſen und innen mit ſchweren Schlöſſern und Riegeln verwahrt. Durch eine Vorrichtung in der Wand mußte ihm ein Bedienter das Eſſen und was er ſonſt brauchte, hinein geben, aber das war wieder ſo eingerichtet, daß man dabei unmöglich ins Zimmer ſehen konnte. Er iſt auch an ſeiner Narrheit geſtorben. Stkann in die vierzig Jahr' g'weſen ſein, daß er ſo gllebt hat, da hat auf einmal die Glocken aus ſeinem Zimmer ang'fangen zu läuten, und wie der Bediente hinauf iſt da waren die Schlöſſer und Riegel weg und die Thür ſtund in der Angel auf. Der Graf aber lag auf dem Kanapee, hatte das Geſicht mit einem Tuch zugedeckt, und rief ihm zu, er ſolle draußen bleiben, aber gehen und den Herrn Pfarrer holen, denn er werde noch heut ſterben. Und was war geſchehen? In dem Zimmer, wo der Graf wohnte, waren wunderſchöͤne, deckenhohe Spiegel in den Wänden eingelaſſen. Wie er es nun zu ſeinem Gefängniß herrichten ließ, dachten die