Jahrgang 
3 (1855)
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Von Hermann Schmid. 45

Es konnte nicht fehlen, daß dieſe beiden Todesfälle von ſich reden machten; man brachte mein Benehmen damit in Verbindung, man trug Beobachtungen und Muthmaßungen zuſammen, und die Folge war, daß nur zu bald die allgemeine Anſicht feſtſtand, daß ich zu denſelben in einer geheimnißvollen Connexion ſtehen müſſe. Die Einen behaupteten, ich habe das böſe Auge; die Meiſten aber riethen von dunklen Gerüchten geleitet der Wahrheit näher, und ſagten, daß ich es den Leuten anſähe, wenn ihnen der Tod bevorſtünde.

Die Folgen davon wurden mir bald fühlbar. Man fürchtete und ſcheute mich; überall zog man ſich von mir zurück, und wenn ich wegen an⸗ geknüpfter Verbindungen irgendwo erſchien, entſtanden Auftritte der Un⸗ ruhe und des Schreckens, die mich beſtimmen mußten, für immer wegzu⸗ bleiben. Die Kunde beſchränkte ſich nicht auf die Umgebungen, in denen ich zu leben gewohnt war, ſie drang in das Volk. Wo ich mich blicken ließ, entfloh alles, die Kinder liefen ſchreiend vor mir davon, und wer mir durchaus nicht ausweichen konnte, blickte zur Erde und vermied es ängſt⸗ lich, mich anzuſehen, um nicht etwa in meinen Mienen die Todesbotſchaft zu leſen.

Mein Zuſtand gränzte an Deſperation. Tauſendmal verwünſchte ich meine unglückſelige Neugier, und meine einzige Hoffnung beruhte darauf, den Alten wiederzufinden, dem ich die entſetzliche Gabe verdankte. Durch reiche Geſchenke dachte ich ihn zu bewegen, daß er ſie mir wieder abnehme und mir den Frieden und das Glück meines Lebens wieder gebe. Lange ſuchte ich vergebens nach ihm; als ich ihn erkundete war es zu ſpät. Ich fand nur die Tochter, von der er mir erzählte, ihn ſelber hatte man ſchon vor einigen Wochen begraben. Fand alſo nicht, was ich geſucht, wohl aber, was ich nicht geſucht hatte; das war die Gewißheit, daß ich das Opfer unerhörter Bosheit geworden war. Die Tochter des Alten war des Win⸗ hard Weib geweſen, und dieſer hatte es nie aufgegeben, ſeine Rache an mir auszulaſſen. War demnach nur hölliſches Lügenwerk und Verſtellung, wenn er ſich als verſöhnt anſtellte, und er war es auch, der den Alten an mich wies, und ſo meine ihm unverborgene Vorliebe für derlei geheime Wiſſenſchaft zum Werkzeug ſeiner Bosheit machte. Es ward mir nun auch wohl begreiflich, warum der Alte ſo erſchrack, als er in dem päpſtlichen Trabanten, an dem er ſein Probeſtück machen wollte, ſeinen Eidam er⸗