Jahrgang 
3 (1855)
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Das Todten⸗Geſicht.

Kardinals ſo unbewegt als zuvor, aber das mir allein ſichtbare Todes⸗ zeichen war ihm plötzlich mit furchtbarer Deutlichkeit eingeprägt.

Ich mochte den Schrecken darüber äußerlich verrathen haben, denn der Kardinal unterbrach ſich plötzlich.Was iſt Ihnen? ſagte er.Wa⸗ rum ſtarren Sie mich ſo an? ſind Sie unwohl? Ich ſuchte mühſam mich zu faſſen und entgegnete, daß ich ganz wohl ſei, daß ich vielmehr ein plöͤtzliches Unwohlſein ſeiner Eminenz befürchtet habe, weil er mit einemmale ſo blaß geworden ſei. Der Kardinal lachte, die Umſtehenden mit, denn niemand

hatte ein Blaßwerden bewerkt.Das junge Blut ſteigt Ihnen vor die Augen, mein Freund, ſprach der alte Herr leutſelig, indem er ſich erhob.

Gehen Sie ein bischen in die friſche Luft. Ich bin ganz wohl,... und

doch fuhr er etwas langſamer fort,in dieſem Augenblick hat es mich

wie angeweht, und ich fühle meinen Kopf eingenommen. Das macht das

ſpäte Feſt. In meinen Jahren muß man um dieſe Zeit ſchon lange zur

Ruhe ſein. Ich will auch jetzt gehen. Gute Nacht, auf Wiederſehen!

Er ging, ich aber ſtürzte hinweg und miſchte mich ohne ſelbſt recht zu

wiſſen, was ich that, unter die fröhliche Menge. Ich zwang mich gewalt⸗

ſam meinen Gedanken eine andere Richtung zu geben. Es gelang mir auch auf einen Augenblick, als die Verlobung des Duka mit der jungen Neapo⸗

litanerin bekannt gemacht wurde und nun der Saal von den Gratulationen

und Evvivas wiederhallten. Begierig eilte ich hinzu, als das Brautpaar

ſeine Runde begann, um die gefeierte Schönheit ebenfalls zu ſehen. Sie war auch in der That überraſchend ſchön und kam, ſo viel ich ſchon von

25 Ferne wahrnehmen konnte, im reichſten Juwelenſchmucke mit allem Auf⸗ wande einer Fürſtin heran. Jetzt war ſie in meiner Nähe, wendete das blühende Antlitz nach der Seite, wo ich ſtand und ein lauter Ausruf des

3 Schreckens entſchlüpfte mir unwillkürlich, denn ſie trug unverkennbar das Todeszeichen. Mein Schrei brachte einige Turbation und CEelat hervor, 1 die ich mit Mühe dadurch zu beſeitigen vermochte, daß ich mein Betragen mit der Ueberraſchung über die ganz ungewöhnliche Schönheit der Braut * 3 entſchuldigte. Sobald es anging, machte ich mich los und ſtürzte wie be⸗ täubt nach Hauſe. Am andern Morgen weckte mich die Nachricht, daß ein Schlagfluß dem Leben des würdigen Kardinals ein Ende gemacht. Auch die Prinzipeſſa erkrankte noch in der Nacht und war, ehe drei Wochen vergingen, an einem abzehrenden Fieber verſchieden.

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