Jahrgang 
3 (1855)
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Das Todten⸗Geſicht.

ſagt, daß Sie ein Mann ſind, der die geheimen Wiſſenſchaften ehrt. Aber ich bin arm: darum muß ich das Geheimniß verkaufen. Der Erlös ſoll die Ausſteuer meiner Tochter ſein, der ich ſonſt auch nichts hinterlaſſen kann. Zahlen Sie mir daher die fünfzig Dukati, Signor Conte und das Ge⸗ heimniß iſt das Ihre.Und wer bürgt mir dafür, fragte ich,daß Ihr mich nicht zum Beſten habt, daß die Kunſt etwas taugt? Der Alte lachte. Ich will Ihnen eine Probe geben! ſagte er.Vielleicht gibt der nächſte Vorübergehende Gelegenheit dazu. Sehen Sie den päpſtlichen Trabanten, der dort aus der Straße hervorkommt? Wenn mich die Entfernung nicht täuſcht der Alte hielt inne, als wenn er über etwas erſchrocken wäre. Er murmelte etwas vor ſich hin und rief dann:Sehen Sie ihn! Es war der Winhard, der über den Platz hinging, ohne uns zu bemerken,

denn es war ſchon faſt dunkel geworden.Ich ſehe und kenne ihn, erwiderte ich.Deſto beſſer, lachte der Alte,deſto beſſer! Der Mann trägt

das Todeszeichen; ehe ein Tag vergeht, iſt er eine Leiche. Aber wenn es ſo iſt, iſt unſer Handel dann abgemacht? Die Neuheit der Sache und der Reiz des Geheimniſſes hatten mir alle klare Beſinnung genommen; ich ſagte zu und beſchied den Alten für den kommenden Abend in meine Wohnung.

Er fand ſich pünktlich ein. Um mich zu überzeugen, hatte ich zuvor den Winhard aufgeſucht und ihn in einer Oſteria wohlgemuth ſitzen ſehen wie er der Flaſche zuſprach. Während ich das dem Alten erzählte, kam in aller Eile ein Diener aus der Oſteria und brachte mir die Nachricht, der Winhard ſei plöͤtzlich auf den Tod erkrankt und könne nicht ſterben, weil er noch etwas für mich auf dem Herzen habe. Dieſes Zuſammentreffen ver⸗ ſetzte mich faſt in einen fieberhaften Zuſtand; ich wollte dem Boten ſogleich folgen, aber der Alte hielt mich zurück.Ihr ſeht, daß ich recht habe, Signor Conte, ſagte er,der Trabant ſtirbt. Laßt uns erſt unſern Han⸗ del abmachen, ſo lange wird er, wohl zu leben haben. Ich wußte kaum was ich that, als ich die 50 Dukaten hinzahlte. Der Alte ſtrich ſte haſtig ein; dann hieß er mich niederknieen, und fuhr mir mit der flachen Hand über die Augen, indem er ein kabbaliſtiſches Wort ausſprach. Er lehrte mich auch das Zeichen, das Wort und die Art, was ich zu thun habe, wenn ich einmal das Geheimniß auf einen Andern übertragen wolle. Dann verließ er mich und ich eilte in die Oſteria.

Wie ich den Winhard ſah erſchrak ich ſehr, denn er trug das Todes⸗ zeichen, das mir der Alte geſagt, deutlich in den Zügen, durfte alſo nicht