Jahrgang 
3 (1855)
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Von Hermann Schmid. 41

ihrem Tode. Als ich den Menſchen ſo lamentiren hörte, dauerte er mich, und ließ es geſchehen, daß er manchmal Abends mich zu beſuchen kam. Hatte er doch unter den Italienern und Schweizern niemand, mit dem er von der Heimat und von Ingolſtadt reden konnte, und war im Ganzen ein wohl eruditer Mann. Bei dieſen Beſuchen geſchah es, daß er mich oft über meinem Lieblingsſtudium traf; das war noch immer allerlei geheime Wiſſen⸗ ſchaft, und hatte meine Neigung noch durch den geheimnißvollen Umgang mit dem Grafen Caglioſtro zugenommen, der damals nach Rom kam, aber bald nachher von dem Inquiſitionsgerichte als ein Erzketzer und Feind der Religion zum Tode verurtheilt wurde.

Eines Abends nun, da ich aus der St. Peterskirche trat, kam ein alter Mann an mich heran, und begehrte insgeheim mit mir zu reden. Als ich ihm das bewilligt, entdeckte er mir, er habe erfahren, wie ich ein großer Freund und Liebhaber von unterſchiedlichem, geheimem Wiſſen ſei, und be⸗ ſitze er ein ganz außerordentliches Geheimniß, das wolle er mir mittheilen. Auf meine Frage, was das ſei, that er ſehr heimlich und wollte erſt reden, wenn ich ihm mit meinem Ehrenworte gelobt, zu ſchweigen. Ich that das und erfuhr nun, daß er das Todtengeſicht habe: das ſei die Gabe, an einem gewiſſen Zuge im Geſicht jedem Menſchen es anzuſehen, wenn er bald ſterben wird. Gegen ein Geſchenk von fünfzig Dukati wollte er mir die Gabe mit⸗ theilen. Ich lachte über den Vorſchlag und ließ den Alten ſtehen; als ich aber weg war, fiel es mir immer wieder ein, meine Neugier war geweckt und es gereute mich, daß ich den Mann ſo kurz abgefertigt hatte. Entſchloß mich auch, wenigſtens noch Näheres darüber zu hören und zu erkunden, ob er mich bloß um einige Dukaten prellen wolle, oder ob wirklich etwas an der Sache ſei. Ging daher andern Tages nach der Peterskirche, war aber von dem Alten nichts zu hören und nichts zu ſehen. Dadurch wurde meine Paſſton genähret, und als ich mehrere Tage hintereinander vergebens wartete, kam ich mir ganz deplorable vor, daß ich eine ſo ſchöne Gelegenheit ver⸗ ſäumet, mir ſothane myſtiſche Kenntniß zu verſchaffen.

Endlich am achten Tage war der Alte wieder da. Ich ging auf ihn zu und erfuhr nun, daß das Geheimniß immer nur Ein Menſch auf der Erde beſitzen dürfe; dieſer aber könne es vor ſeinem eigenen Tode einem Andern mittheilen.Ich bin gewiß, ſagte der Alte,daß ich nicht lange mehr zu leben habe, ich will daher mein Geheimniß verwahren, damit es nicht ausſtirbt. Ich habe Sie dazu erwählt, Signor Conte, weil man mir