Jahrgang 
3 (1855)
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Das Todten⸗Geſicht.

zu halten, und reiste wohlgemuth nach Rom. Es handelte ſich aber darum, daß der Papſt eine neue Nuntiatur in München gegründet hatte als Vor⸗ mauer gegen den Illuminatismus, und daß ſeine apoſtoliſche Majeſtät, Kaiſer Joſephus II., dagegen proteſtiret als gegen eine unzuläſſige Ausdehnung der päpſtlichen Gewalt. Hatte auch die Biſchöfe von Mainz, Trier, Köln und Salzburg bewogen, ſich auf dem Emſer⸗Kongreß dagegen zu erklären. Der neuernannte Nuntius in München, Monſtignore Zoglio, war aber auch nicht müßig und veranlaßte die Biſchöfe von Würzburg, Speier und Hildesheim zu einer Gegenerklärung. Sollte nun die Sache in Rom ſelbſt ausgeglichen werden; iſt ſolches auch zu Stande gekommen und der Nuntius Zoglio wohlbehalten in bairiſchen Landen verblieben.

Damals ſaß auf dem Stuhle Petri zu Rom Pabſt Pius VI. aus dem edlen Geſchlechte der Braschi aus Ceſena. Das war ein ungemein frommer und in Glaubensſachen brenneifriger Mann, daneben auch von großer Prachtliebe und keine Koſten ſcheuend, wo es galt, eine ſchöne Anlage zu gründen oder ein Prunkgebäude zu errichten. Das bewies er, als er die neue Sakriſtei an der St. Peterskirche erbaut hatte, denn da wurde der Bau mit großem Pomp eingeweiht und alle Ambaſſadeurs und fremde Geſchäfts⸗ träger dazu eingeladen.

Wie wir dann die Freitreppe zu dem neuen Gebäude hinanſtiegen in feierlicher Prozeſſion, war Sr. Heiligkeit Leib⸗Guardia zur rechten und linken Seite in Spalier aufgeſtellt. Ich ſchritt hindurch, ohne die Rieſen mit ihren Hellebarden zu beachten, aber auf den, ſo der Hauptpforten zunächſt ſtand, fiel mein Blick im Eintreten wie zufällig. Da kam mir deſſen grim⸗ mige, bärtige Pyſtognomie wie bekannt vor, und wie ich mich darauf beſann, wo ich den Mann wohl ſchon könnte geſehen haben, da fiel es mir ſiedend heiß ein. Ich erkannte, daß es der Winhard war, den ich nicht mehr zu ſehen bekam ſeit dem Tage, da man die Sprunner⸗Lene eingrub hinter der obern Pfarrkirche in Ingolſtadt. Meine Andacht während des Gottesdienſtes nach dem fatalen Rencontre war ein Merkliches geſtöret und ſchwante mir's gleich, daß es nichts Gutes für mich zu bedeuten habe. Stund auch gar nicht lange an, ſo kam der Winhard zu mir und verlangte, mit mir zu reden, benahm ſich aber um vieles anders als ich gedacht. Er bat mich ſogar um Verzeihung wegen alles Torts, ſo er mir einmal im Unmuth und böſem Argwohn an⸗ gethan, erzählte auch, wie er mit unbeſchreiblicher Paſſion an dem Mädchen gehangen, und wie er keine Stunde ſeines Lebens mehr froh geworden ſeit