Jahrgang 
3 (1855)
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nocht.

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Von Hermann Schmid. 39

mich zu gewinnen, als er mir von der großen allgemeinen Verbrüderung der Menſchheit erzählte, und wie er dazu den Weg bahnen wolle durch einen Geheimbund, dem alle Gutgeſinnten als Erleuchtete angehören ſollten. Der Orden wurde auch wirklich geſtiftet und hieß der Orden der Illuminaten. Derſelbe hatte vier Grade und ſtand unter Obern, die niemand kannte, denen aber jede Rede und jede Handlung der Mitglieder bekannt wurde. Der un⸗ terſte Grad war der Minervalgrad, und den ertheilte mir Weishaupt vor meinem Abgange von der hohen Schule. Der Wahlſpruch des Grades war:

Es währte aber nicht lange, ſo wurde die Sache mit dem Illuminaten⸗ Orden ruchbar, und ergingen mehrere landesfürſtliche Mandate, welche die Theilnahme an ſolch geheimer Conféderation bei ſchwerer Strafe unterſag⸗ ten. Die Illuminaten kehrten ſich nicht daran, denn ſie zählten die mächtig⸗ ſten und aufgeklärteſten Perſonen des Landes zu ihren Brüdern. Iſt auch allbekannt, wie hierauf eine große Unterſuchung begann, und wie alle, welche nicht reuig umgekehret, in ſchwere Strafe genommen wurden. Die angeſehen⸗ ſten Ordenshäupter aber gingen flüchtig, denn es hieß, der Churfürſt wolle auf den Rath ſeines Beichtvaters, Pater Frank ex soc. Jesu, ein Inquiſi⸗ tions⸗Tribunal in den bairiſchen Landen aufrichten. Vor dem flüchteten ſie, darunter Weishaupt ſelbſt. In den Papieren des Edlen von Zwackh aber, der ſich ſelbſt entleibte, wurde ein Verzeichniß vieler gefunden, die dem Orden

angehört hatten, und in der Liſte fand ſich auch mein Name. Wurde daher

auch ich gefänglich eingezogen, mußte mehrere Wochen im Falkenthurm ſitzen, und wurde mehrmals auf's Schärfſte von dem Commiſſarius Lippert nach Maleſikanten⸗Art inquirirt. Da ich nun meinem Gewiſſen nach dabei ſtehen blieb, daß ich von dem Orden nur Gutes und Löbliches wiſſe, rechnete man mir das als beſondere Verſtocktheit an. Waren darum meine Befreundeten meinetwegen um ſo mehr in Sorgen, als ich bereits dem Hofgerichte adjun⸗ girt war, und allgemein verlautete, man wolle ein Exempel an mir ſtatui⸗ ren, wie mit dem Auditor M. von Burghauſen geſchehen. Mein gnädiger Papa fand aber gleichwohl Mittel, die Sache zu meinen Gunſten zu lenken. Wurde mir auch bald darauf die höchſte Entſchließung Serenissimi eröffnet, daß ich den Freiherrn von W., der damals in beſonderer Miſſion nach Rom geſchickt wurde, dahin begleiten ſolle, um mich in den Grundſätzen des katho⸗ liſchen Glaubens auf's neue und beſſer zu befeſtigen.

Demnach hatte ich alle Raiſon, mich mit ſo gnädiger Straf kontentirt

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