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Das Todten⸗Geſicht.
gen war auf mich hereingeſtürzt, daß ich kein Wort vorzubringen vermocht. Mit einem male war er verſchwunden, wie er gekommen war.
Ich ſtand erſt eine Weile wie betäubt und wußte nicht, ob ich das wirk⸗ lich gehört habe oder ob es mir nur in der Imagination ſo vorgekommen. Wie 89† ich aber um den Wall herum durchs Kreuzthor in die Stadt eilte, da ſah ich die traurige Wahrheit vor mir. Da trug man die Lene zugedeckt auf einer Bahre der alten Sprunnerin ins Haus, die war vor Jammer ſelbſt dem Tode nahe und ſiel aus einer Convulſion in die andere. Damals kam gro⸗ ßes Herzleid über mich. Auch war in der Stadt viel Gerede und konnte ich dem Himmel nicht genug danken, daß man mir auch nicht das Mindeſte nach⸗ ſagen konnte in meinem Betragen gegen die unglückliche Sprunner⸗Lene, ſonſt wäre es mir wohl übel ergangen und hätte an meiner Reputation merklichen Schaden gelitten. So aber bedauerte alles das ſchöne Mädchen, 1 und es hieß, daß ſie ſchon lange tiefſtnnig und nicht bei ſich geweſen, als ſie in der Gottverlaſſenheit ihrem Leben ein Ende gemacht. Darum erhielt ſie auch ein ehrliches Begräbniß und wurde unter großem Zulauf und allgemei⸗ ner Commiſeration an der obern Pfarrkirche beerdigt. Unter den Leidtra⸗ 4 genden war auch der Winhard und ſah aus wie zertrellt und vexloren; nach dem Leichenbegängniß aber war er verſchwunden, und hat niemand in bai⸗ riſchen Landen wieder von ihm gehört. Wollte Gott, daß auch ich ſo glück⸗ lich geweſen und dem giftigen Neidhart nicht wieder begegnet wäre im Leben.
Die alte Sprunnerin litt es nicht, daß ich ihr Haus verließ; war auch ohnehin nur noch ein halbes Jahr vor mir, daß ich in Ingolſtadt zu bleiben
hatte. Durch das beklagenswerthe Ende der guten Lene war aber in meinem 3 Gemüthe eine große Veränderung vorgegangen. Vorerſt hatte mich die Liebe des Mädchens zu mir wenig angefochten und war mir eher kindiſch und 8 lächerlich vorgekommen; ſeit ſie todt war, konnte ich die Erinnerung an ſie
nicht los werden und war der Gedanke an ſie mir überall hin ein trauriger Begleiter. Und obwohlen ich mir ſelber und mit gutem Rechte wiederholte, daß ich gegen die Lene nicht anders gehandelt, als es einem untadeligen
1 Edelmann zuſtehet, ſo war es mir doch ſchmerzlich, daß ich ein ſo treues Herz
hatte zurückſtoßen müſſen, und war ſo undankbar geweſen für die viele Liebe,
die ſie in den Tod getrieben!—
In ſo betrübter Gemüthsverfaſſung war meine Neigung zu ſpekuliren⸗
den Grübeleien noch größer geworden, und es war dem Weishaupt ein Leichtes,
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