Jahrgang 
3 (1855)
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ir daran,

Von Hermann Schmid. 37

daß mir die Sprunnerin vor einiger Zeit geſagt hatte, wie am folgenden Tage die Lene Hochzeit machen werde mit dem Würzkrämer am Schliffel⸗ markt. Meine Gedanken waren vielmehr bei ganz andern Dingen, denn der Weishaupt hatte mir letzther viel von großen Planen und Entrepriſen erzählet, die er ins Werk zu ſetzen gedachte, und ging ich ſo ganz in tiefe me⸗ ditationes verſunken, dahin. Da ſtand mit einem male, wie aus der Erde gewachſen, der Winhard vor mir, und war ich gleich anfangs durch ſein plötzliches und unvermuthetes Erſcheinen frappirt, ſo war ich es noch mehr über deſſen ungewohntes und gänzlich verändertes Ausſehen. Sein ſonſten etwas ſtark geröthetes Geſicht war aſchenbleich, die Lippen blau und die Au⸗ gen rollten ihm im Kopfe, wie einem Unſinnigen. Auch der Anzug war in größter Désordre, und die Haare fielen ihm ungepudert und unfriſtrt auf die Schultern.

Unwillkürlich legte ich die Hand an den Degen, der Winhard aber rief mir entgegen:Laß ſtecken, Gräflein, wenn ich dir an den Leib wollte, würde dich das Federmeſſer auch nicht ſchützen! Ich will dich der armen Lene nicht auch in die andere Welt nachſchicken. Ich wollte auf die un⸗ ziemliche Allocution nach Gebühr erwidern, allein die letzten mir unver⸗ ſtändlichen Worte veranlaßten mich zu einer Frage nach deren Sinn.So höre, rief Jener wieder,höre, wenn du es noch nicht weißt! Die Sprunner⸗Lene iſt todt, vor einer Viertelſtunde hat man ſie am Fiſcher⸗ wöhr aus der Donau gezogen.

Mir war als ob ein Blitz vor mir in die Erde ſchlüge, ich wußte im Augenblick nicht, was ich thun und ſagen ſollte. Der Winhard aber ſchrie fort:Erſchrickſt du jetzt, heuchleriſcher Verführer? Schlägt dich endlich das Gewiſſen? Ja, ſie iſt todt durch dich deinetwegen! Und wenn alle Welt glaubt, daß du unſchuldig biſt, ich glaube es nicht! Ich ſage, du haſt ihr die wahnſinnige Leidenſchaft ins Herz geſchwatzt! Du haſt ihr den Kopf verdreht und haſt ſie dann fahren laſſen, wie du merkteſt, daß ſie dein Weib und nicht deine Metze ſein wollte! Sie war zu gut, dich zu verrathen, ſie hat alles auf ſich genommen, und die Bitterkeit hinunter gewürgt, bis ſie ihr das Herz abdrückte! Aber du ſollſt nicht ungeſtraft ſein. Du haſt der alten Mutter ihre Lebensfreude genommen, du haſt mich elend gemacht. Darum ſollſt du es auch ſein, und wenn dich die Lebendigen ſchonen, ſo ſoll der Tod ſelber an dir Rache nehmen. Der Strom ſeiner Verwünſchun⸗

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