Jahrgang 
3 (1855)
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Der ſchwarze Annibale.

Kerkermeiſter Wein und Speiſen aufgetragen hatte, und genoſſen davon, wenn auch nur wenig, wie Ihr denken mögt, da allen das Herz überquoll, und weder Carmela noch ihr Mann ſich denken konnten, daß der Vater allein deßwegen gekommen ſei. Geſprochen wurde auch wenig, und faſt nur allein von dem Vater, der den Annibale nach mehreren gleichgültigen Dingen fragte und ihm unter anderem auch mittheilte, daß der Barbara mit den meiſten der Seinen entkommen ſei, was den Annibale ſichtbar erfreute. Dann ſchwiegen wieder alle, als hätte jeder das Gefühl, daß etwas auf den nächſten Minuten laſte.

Als ſie gegeſſen hatten und vom Tiſche aufgeſtanden waren, wendete ſich plötzlich Don Gaetano an ſeinen Sohn und redete ihn mit den Worten an:Mein Annibale, du weißt es, wie ſehr ich dich geliebt habe von deiner Kindheit an, und daß mir nichts für dich zu ſchwer geweſen iſt, weder zu thun noch zu ertragen. Faſt all mein Hab und Gut iſt für dich hingegeben worden, um dich zu retten, und mit Freuden würde ich auch den Reſt hin⸗ geben, wenn es dir helfen könnte. Aber Eins habe ich, was unangetaſtet geblieben iſt: die Ehre meines Hauſes und meines Namens. Die ſollſt du mir erhalten helfen und es nicht dahin kommen laſſen, daß ich und die Dei⸗ nen es mit anſehen müſſen, wie du vor deines Vaters Hauſe, im Angeſicht deiner Mutter und Schweſter zur Freude unſerer Feinde einen ſchimpflichen Tod erleideſt. Dagegen gibt es nur ein Mittel und ich halte es in meiner Hand. Damit zog er aus ſeinem Buſen ein Kruecifix hervor, das inwendig hohl und mit einem Pulver gefüllt war, das er in einen Becher Weins ſchüttete.Trinke dieſes und du wirſt frei ſein, ehe die Sonne hinab iſt und es Ave Maria läutet, und du wirſt dich und mich und uns alle vor ewiger Schande bewahrt haben und mein Segen wird deine That begleiten!

Da ergriff der Annibale den Becher, und ehe es Carmela verhindern konnte, die durch eine Handbewegung des Vaters zurückgehalten, auf das Lager ſank, hatte er ihn an die Lippen geſetzt und feſt den Vater anſchauend, der hoch aufgerichtet vor ihm ſtand, trank er ihn aus mit einem Zuge. Car⸗ mela ſtarrte wie verſteinert auf die Scene. Denn ſo muthig und ſtolz ſie war und ſo ſehr ihr ſtolzer Sinn vor dem Gedanken zurückſchauderte, ihren geliebten Mann für einen ſchimpflichen Tod aufbehalten zu ſehen, ſo war ſie doch ein Weib und mochte noch immer Rettungsgedanken gehegt haben. Don Gactano aber, in deſſen Augen die Thränen ſtanden, legte dem Sohne die Hände auf das Haupt und gab ihm ſeinen Segen.