Jahrgang 
3 (1855)
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28 Der ſchwarze Annibale.

ſtändniß und zum Verrath ſeiner Verbindungen in Neapel zu bewegen, da ward ihm die Sentenz geſprochen, die ihn zum Tode verurtheilte. Darauf waren nun zwar beide, Vater und Sohn, im Voraus gefaßt, denn an Gnade war damals nicht zu denken. Aber es kam doch noch ſchlimmer als ſte erwartet hatten, denn das Urtheil ward bei der Beſtätigung in Neapel dahin verſchärft, daß der Annibale nicht, wie er anfangs hoffte und wie man es einigen ſeiner Genoſſen gethan, erſchoſſen, ſondern daß er nach Policaſtro, in ſeine Heimatſtadt, gebracht und dort zum abſchreckenden Exempel und zu⸗ gleich zur Strafe für ſeinen Vater, vor ſeinem elterlichen Hauſe an einem eigens dazu errichteten Galgen gehängt werden ſollte.

Als dies Urtheil bekannt wurde, ergriff alle Menſchen, die es hörten, tiefes Mitleid mit dem unglücklichen Vater und ſeinem Sohne; aber alle Verſuche, welche der erſtere machte, wenigſtens dieſe letzte Schande von ſeinem Hauſe abzuwenden, waren vergeblich. Das Einzige, was ihm geſtattet wurde, war, daß er jetzt endlich ſeinen Sohn wiederſehen und ſprechen durfte, wozu ihm der Obriſt, der jenen gefangen genommen hatte und der noch immer mit ſeinen Soldaten in Coſenza ſtand, durch ſeine Verwendung behülflich war. Beſtechung des Kerkermeiſters that das Weitere, um die erhaltene Erlaubniß dahin auszudehnen, daß es ihm verſtattet wurde, am Tage vor der Abführung des Verurtheilten nach Policaſtro mit demſelben zuſammen das letzte Nachteſſen einzunehmen. Doch mußte er ſich zuvor, ehe man ihn einließ, genau unterſuchen laſſen, damit er nicht irgend wie dem Sohne eine Waffe oder ſonſt ein Werkzeug zur Befreiung zubringen möge.

Als die Stunde gekommen war, begab ſich Don Gaetano ins Gefäng⸗ niß, wohin ich ihn bis an die Thüre begleitete und dann in unſere Herberge zurückkehrte, um die Veranſtaltungen zu unſerer Abreiſe zu treffen, welche am kommenden Morgen ſtattfinden ſollte. Aber obſchon mir der Oheim nichts weiter geſagt hatte, ſo ahndete mir doch, daß etwas geſchehen werde, wenn ich gleich nicht wußte, was es ſein könnte, und am wenigſten auf das verfallen mochte, was geſchah. Vielmehr war mir ganz wunderbar zu Muthe, denn mein Reſpekt vor dem Oheim und mein Glaube an ſeine große Geiſteskraft und Klugheit waren von der Art, daß ich mich, ſo unſinnig es auch war, doch des Gedankens und der Hoffnung nicht erwehren konnte: er werde doch vielleicht noch irgend ein Mittel zur Rettung ausfindig ge⸗ macht haben.

Und alſo war es auch wirklich, wenn auch in einem ganz andern Sinne,