Leben wolle, und
Von Adolf Stahr. 27
Strafe verurtheilt hätten, und machte ſich kein Gewiſſen daraus, ihm das Unrecht heimgegeben zu haben nach beſten Kräften.
Mag es nun geweſen ſein, weil die Richter trotz alledem immer noch hofften, daß ſie ihn mürbe machen und zu Geſtändniſſen bringen würden, die ihnen ſehr am Herzen zu liegen ſchienen— genug, der Prozeß zog ſich länger hin, als man anfangs gedacht hatte. Die mit dem Annibale ge⸗ fangenen Mitglieder ſeiner Bande, ſoviel ihrer nicht an ihren Wunden ge⸗ ſtorben waren, hatten alle bereits ihre Strafe erlitten. Nur ihr Hauptmann war noch übrig und die Sache zog ſich damit in die Länge, daß wir faſt ſchon Hoffnung zu ſchöpfen begannen. Ich ſage wir, denn Don Gaetano Velasco hatte ſich gleich nach dem Empfang der Unheilsbotſchaft von Policaſtro auf⸗ gemacht und war nach Coſenza gekommen, um ſeinen Aelteſten wenigſtens noch einmal zu ſehen. Das war ihm aber bisher noch nicht gelungen, da die Richter ihm ſelber nicht trauten und ihm die Erlaubniß ſeinen Sohn zu ſehen und zu ſprechen, ſtreng verweigerten. Er hatte vielmehr ſelbſt genug zu thun, ſich vor Gericht zu verantworten; denn er war beſchuldigt worden, ein Franzoſenfreund zu ſein und mit ſeinem Sohne und den Verſchwörern in Neapel Verbindung unterhalten zu haben. Ich glaubte zu ahnen, wer ihm dieſen Dienſt geleiſtet habe, und die Folge zeigte, daß meine Ahnung mich nicht betrogen und daß auch hier der Pater Ignazio, der den Don Gae⸗ tano tödtlich haßte, ſeine Hand im Spiele gehabt hatte. Indeſſen konnten ſie auf den Alten weiter nichts bringen, außer daß er einmal ſchwere Worte gegen die Richter von Salerno ausgeſtoßen und geſagt haben ſollte: es ſei Zeit, daß es mit dem Governo und deſſen ungerechtem Regimente anders werde. Allein auch dies war ſchon genug, um ihm eine ſchwere Geldbuße zuzuziehen, während die Sache ſeines Sohnes dadurch— wo möglich— noch verſchlimmert wurde. Es war grade kurz vor dem Ausbruche des Kriegs mit den Franzoſen, und König Fernando und ſeine Miniſter ſahen überall Verſchwörer und Verſchwörungen im eigenen Lande, da ihr Gewiſſen ihnen ſagte, weſſen ſie ſich von vielen ihrer Unterthanen zu verſehen hätten. Die Ge⸗ fängniſſe waren überall voll von Verdächtigen und es waren darunter ſehr vornehme und gelehrte Männer. Von allen Richtern im Königreich der ſchlimmſte und mächtigſte war damals der Marcheſe Vanni, der dem Könige den Rath gab, es mit dem Schrecken zu verſuchen und alle Verdächtige hin⸗ richten zu laſſen.
Als man nun die Hoffnung aufgeben mußte, den Annibale zum Ge⸗


