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24 Der ſchwarze Annibale.
Schuß durchs Herz bekommen und wäre tapfer geſtorben wie er gelebt hat, ſtatt jetzt an den Galgen gehängt zu werden wie ein Dieb. Denn Schade iſt es um ihn, was wäre der für ein Soldat geworden! Unſer Obriſt ſelbſt ſagte zu meinem Hauptmann und meinte: kein General hätte ſich beſſer halten und kriegsgerechter fechten können als der Annibale, und es wäre ein Jam⸗ mer, daß man ſolch einen Burſchen nicht gegen die Franzoſen verwenden könne, wo man es bald nöthig haben werde.“
Aber das war eben das letzte Unglück, daß ſie, als man ihn gefangen nahm, Papiere und Briefſchaften bei ihm gefunden hatten, die es bezeugten, daß er vielmehr mit den Franzoſenfreunden in Neapel in Verbindung ſtand, und daß dieſe auf ihn und ſeine Geſellen gerechnet hatten, wenn es zur Re⸗ volution käme gegen König Fernando und ſein Governo, das der Annibale natürlich keine Urſache hatte, beſonders zu lieben. Das brach ihm nun voll⸗ ends den Hals. Denn ein Franzoſenfreund zu ſein, war damals viel ſchlim⸗ mer als ein Räuber und Mörder. Ich aber hatte bei allen dieſen Dingen nur einen Gedanken in meinem Kopfe, in welchem es wirbelte und ſummte, wie in einem Bienenſtocke, und das war der Gedanke an den Oheim, und was der zu dem Allen ſagen und was er thun werde. Der Sergeant war mir als ein menſchlicher Mann erſchienen durch die Art, wie er mir die Sache erzählte. Zufällig traf es ſich obenein, daß er aus der Piana von Calabrien gebürtig war und meine Eltern gekannt hatte, und kurz und gut, ich ent⸗ ſchloß mich, gegen ihn mit der Sprache herauszugehen und mich ihm zu ent⸗ decken. Ich ſagte ihm alſo, daß ich ein Verwandter des Annibale ſei und daß ich im Auftrage oder doch unter dem Mitwiſſen ſeines Vaters nach Coſenza gekommen und weßhalb das geſchehen ſei, und bat ihn zugleich, mir mit ſeinem Rath an die Hand zu gehen, wie ich es anzuſtellen habe, den Gefangenen zu ſehen und zu ſprechen. Er ſann einen Augenblick nach und erwiderte mir dann, das Beſte werde ſein, daß ich mich geradezu an den Oberſten wende, der Theilnahme für den Annibale gezeigt und noch jetzt das Recht und die Macht habe, den Zutritt zu dem Gefangenen zu geſtatten; natürlich nicht allein, ſondern in Geſellſchaft des Kerkermeiſters, und wenn ich mich anheiſchig mache, nichts zu reden und zu thun, was etwa auf irgend einen Verſuch zu ſeiner Befreiung hinausliefe. Dazu könne und wolle er mir ſelber behülflich ſein, denn er ſtehe gut bei dem Oberſten und habe ſich verdient gemacht um die endliche Gefangennehmung des Briganten⸗ hauptmanns, und wenn ich dem Annibale auch nichts helfen könne, ſo möge


