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Von Adolf Stahr. 23
Bereits waren ein Theil von Annibales Leuten getödtet, andere ſchwer verwundet oder gefangen, ein paar hatten ſich auch freiwillig ergeben, und ſo blieben zuletzt nur ein halbes Dutzend übrig, unter ihnen der Annibale und die Carmela, die nicht von ſeiner Seite gewichen war, und vielleicht wäre es ihm ſelbſt gelungen, zu entkommen, wenn nicht eine Kugel zuletzt die Car⸗ mela am Arm verwundet und der Blutoerluſt ihre Kräfte ſo geſchwächt hätte, daß ſie nicht weiter konnte. Vergebens beſchwor ſie ihren Gatten, ſich zu retten und ſie ihrem Schickſal zu überlaſſen. Wie hätte das der Anni⸗ bale übers Herz bringen können! Er hatte ſie mit Hülfe eines ſeiner Leute auf eine felſige Höhe getragen und beſchloß dort zu bleiben und ſein Leben theuer zu verkaufen. Aber der Verräther kannte auch dieſen Schlupfwinkel und führte eine Abtheilung Soldaten dahin, unter denen ſich auch der Ser⸗ geant befand. Nach und nach fielen ſämmtliche noch übrige Begleiter, theils getödtet, theils ſchwerverwundet, und zuletzt erhielt auch der Annibale, der bis dahin wunderbarerweiſe unverwundet geblieben war, einen Schuß in den Schenkel, der ihm jede Bewegung unmöglich machte. Es war überhaupt die erſte ſchwere Verwundung, die er in ſeinem ganzen Rälberleben davonge⸗ tragen hatte, daher ihn das Volk und ſelbſt viele der Soldaten für kugel⸗ und hiebfeſt hielten. Aber auch ſo noch hielt er tapfer Stand. Gegen einen Baum gelehnt, den doppelläufigen Karabiner in der Fauſt, erwartete er den letzten Angriff, den niemand wagte, weil der Ruf ſeines unvergleichlichen Muthes, ſeiner großen Leibesſtärke und Liſt alle abhielt, ſich an den Ge⸗ fürchteten zu machen, bis endlich der Verräther, der einen Baum erklettert hatte, von dort aus eine zweite Kugel gegen ihn ſandte, die ihn zu Boden ſtreckte und die Waffe ſeiner Hand entfallen ließ. Aber als der Mörder jetzt eilig herabſprang und ſich auf den Niedergeſtreckten ſtürzte, um ihn zu be⸗ rauben, da zeigte es ſich, daß er nicht todt war. Denn ſo wie er da lag auf ſeinem Rücken ausgeſtreckt, warf er dem Mörder, der ſich über ihn hinbeugte, die eiſenſtarken Arme um den Hals, preßte ihn würgend zu ſich nieder, daß ihm das Blut in die Augen ſchoß, und während er ihn mit dem linken Arme ſo umſchlungen hielt, ſtieß er ihm mit der Rechten den raſch aus dem Gürtel gezogenen Dolch durch den Rücken ins Herz, daß er lautlos verendete.„So erhielt der Verräther ſeinen Lohn,“ ſchloß der Sergeant ſeine Erzählung. „Das Uebrige brauch' ich Euch nicht zu berichten. Denn der Annibale iſt hier, und obſchon ſeine Wunden nicht tödtlich ſind, ſo wird es ihm doch wenig helfen und es wäre ihm am Ende beſſer geweſen, er hätte einen guten


