22 Der ſchwarze Annibale.
liefern. Das war aber leichter befohlen als gethan, obgleich dem Gouver⸗ neur eigens zwei ganze Kompagnien Soldaten zur Verſtärkung geſchickt und die Zahl ſeiner Karabiniere zu Pferd beträchtlich vermehrt wurde. Um ſo willkommener war ihm das Anerbieten des Verräthers, der ſich anheiſchig machte, der Expedition als Führer zu dienen, welche gegen die Bande Anni⸗ bales vorbereitet wurde und einen leichten Erfolg verſprach.
Der Verräther wußte, daß zu einer beſtimmten Zeit der Annibale den größten Theil ſeiner Leute aus dem Silawalde nach der Meeresküſte hinzu⸗ ſenden verſprochen habe, um den Barbara, mit dem er, wie ich Euch ſchon erzählte, in Verbindung ſtand, bei der ſichern Landung eines Transports von Schmugglerwaaren behülflich zu ſein. Dieſen Zeitpunkt müſſe man be⸗ nützen, um an zwei Orten zugleich den Streich zu führen: hier den Barbara angreifend und dort den Annibale, der wenige Leute bei ſich haben werde, in ſeinem Schlupfwinkel zu überfallen. Und alſo geſchah es. Der Sergeant war mit bei der Expedition geweſen, die gegen den Annibale ausgezogen war. Die Soldaten hatten ſich auf verſchiedenen Wegen in kleinern Abthei⸗ lungen aufgemacht, damit der Annibale nicht zu früh Kunde erhalte, daß eine große Schaar gegen ihn anrücke. Zugleich wurde Sorge getragen, ſich derjenigen Perſonen zu bemächtigen, von welchen der Verräther ausgeſagt hatte, daß ſie gedungen ſeien, dem Brigantenhäuplinge aus den kleinen Orten, ja aus Coſenza ſelbſt, Nachrichten zu geben, wenn etwas gegen ihn unternommen werde. So gelang es den Truppen in die Nähe des Sila⸗ waldes zu kommen und dort ſich zu vereinigen, ehe der Annibale irgend eine Kunde bekam.
Aber wenn ſich die Soldaten und der Colonel, der ſie führte, einge⸗ bildet hatten, daß ſie darum ganz leichte Arbeit haben würden, ſo hatten ſie ſich doch getäuſcht. Denn der Annibale war nicht der Mann, ſich im Schlafe überfallen zu laſſen, wie der Verräther gehofft hatte, und obſchon er nur einen kleinen Theil ſeiner Brigate bei ſich hatte, die obenein nicht hinlänglich mit Munition verſehen waren, ſo machte er doch den Soldaten harte Arbeit. Das Gefecht dauerte mehrere Tage fort, denn der Annibale und ſeine Leute kannten das Terrain und benützten alle Vortheile und Schlupfwinkel, die es bot. Sie machten ihren Angreifern jeden Schritt ſtreitig und tödteten und verwundeten ihnen viele Leute. Aber alle Auswege waren ihnen durch über⸗ legene Macht verſperrt und in alle verborgenſten Schlupfwinkel folgten ihnen
die Angreifer nach.


