Jahrgang 
3 (1855)
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Von Adolf Stahr. 21

Nun todt iſt er noch nicht, nahm jetzt der Wirth wieder das Wort, aber ſeine Bande iſt aufgerieben, und alle oder doch die meiſten ſind ge⸗ tödtet, die nicht mit dem Barbara aufs Meer entkommen ſind. Der ſchwarze Annibale aber iſt gefangen, hier in Coſenza; heute Morgen haben ſie ihn eingebracht mit ſeiner Donna. Ein ſchöner Burſch iſts, das muß man ihm laſſen, trotzdem daß er todtenbleich von Blutverluſt auf ſeinem Pferde ſaß, auf dem ſie ihn feſtgebunden, weil er nicht gehen konnte wegen ſeinen Wun⸗ den. Ein ſtattlicher Hauptmann, viel ſchöner als ſeine Gemahlin, die auch verwundet und mit Blut befleckt an ſeiner Seite neben dem Pferde ging. Doch da kommt der Herr Sergeant, wendete er ſich zu einem in die Halle eintretenden Militair,der kann Euch das Nähere erzählen bei einer Bot⸗ tiglie guten Weins, wenn Ihr ihn um das eine erſucht und ihm die andere anbietet.

Natürlich that ich Beides, ſo übel mir auch zu Muthe war, denn ich wollte nicht merken laſſen, wie nahe mich der Annibale anging, und zitterte doch zugleich innerlich vor Herzensangſt, wie es um den Armen und um Carmela ſtehen möchte.

Der Sergeant war kein unfreundlicher Mann. Er ließ ſich zu mir an den Tiſch nieder und erzählte mir den ganzen Hergang. Wie das immer zuletzt mit den Briganten zu geſchehen pflegt, hatte auch diesmal der Ver⸗ rath das Beſte gethan, dem Governo den gefürchteten Häuptling in die Hände zu bringen. Einer von der Bande, den der Annibale wegen Unge⸗ horſams und verſchiedener unnützer Grauſamkeiten hart beſtraft hatte, war zum Gouverneur nach Coſenza gekommen und hatte ſich erboten, ihm den ſchwarzen Annibale in die Hände zu ſpielen, wenn man ihm ſelbſt Unge⸗ ſtraftheit und eine Belohnung an Geld zuſichere. Der Gouverneur hatte das Anerbieten mit beiden Händen angenommen, denn die Verwegenheit der Räuber ſtieg von Tage zu Tage; die gegen ſie ausgeſchickten Soldaten rich⸗ teten nichts aus und wurden mit blutigen Köpfen heimgeſandt, und als nun gar der Annibale einen jungen Offizier, den nahen Verwandten eines Großen am Hofe zu Neapel, gefangen genommen, und trotz aller Anerbie⸗ tungen von Geld nicht ausgeliefert, ſondern als Geißel für das Leben eines gefangenen Mitgliedes der Bande in Gewahrſam gehalten hatte, da war von Neapel ein Kourier mit heftigen Vorwürfen für den Gouverneur und mit dem ausdrücklichen Befehl angelangt: in kürzeſter Friſt mit der Sache ein Ende zu machen und den Annibale lebendig oder todt nach Neapel einzu⸗