20 Der ſchwarze Annibale.
es ſich, daß wir eine Fracht zu verſchicken bekommen hatten, die von Amalfi nach einem Küſtenorte Kalabriens beſtimmt war, nicht weit von Coſenza, in deſſen Umgegend der Annibale ſein Weſen trieb. So ſegelte ich dann ab mit mei⸗ ner Barke, kam glücklich an, löſchte meine Ladung und befahl dem Steuermann, einem alten Diener des Hauſes und mir blindlings ergeben, in dem kleinen Hafen von San Lucido liegen zu bleiben und meiner Rückkehr zu harren, die ſpä⸗ teſtens in acht Tagen erfolgen werde. Käme ich am letzten Tage nicht zurück, ſo ſollte er heim nach Policaſtro ſegeln und dem Don Gaetano das Geſche⸗ hene vermelden. Ich weiß nicht, wie es zuging, aber— während ich bis dahin voll Hoffnung und guten Muthes geweſen war, überfiel mich, als ich ſo allein die Straße nach Coſenza wandelte, eine unbegreifliche Traurigkeit, und eine böſe Ahnung, deren ich mich nicht erwehren konnte, raunte mir im⸗ merfort ins Ohr, als ob ich die Stimme wirklich hörte, daß ich auf dieſem Wege nicht wieder zurückkehren werde. Ich aber bekreuzte mich, betete zu meinem Schutzheiligen und wanderte ein wenig getröſtet weiter.
Als ich in Coſenza ankam, fand ich die ganze Stadt in ungeheurer Aufregung. Ich ſah viel Soldaten auf den Straßen, und ein Theil davon, es mochten wohl einige hundert Mann ſein, kampirte auf dem großen Marktplatze unter den Waffen. Sie ſahen ſchweißbedeckt und ſtaubig aus; ihre Kleidung war hie und da zerriſſen, als hätten ſie ſchwere Arbeit gehabt, und manche unter ihnen hatten Arme und Köpfe verbunden, zum Zeichen, daß es Kampf und Blutvergießen gegeben hatte. Mir fiel es w aufs Herz, und ich hatte kaum den Muth im Wirthshauſe zu fragen, was das mit den Soldaten zu bedeuten und was es gegeben habe?
„Man ſieht, daß Ihr zu Waſſer geweſen ſeid,“ erwiderte mir der Wirth,„denn wenn Ihr zu Lande gekommen wäret, würdet Ihr längſt ge⸗ hört haben, was geſchehen iſt. Der ſchwarze Annibale aus dem Silawalde iſt—“„Todt!“ rief ich, aber mit einem ſolchen Ausdruck des Erſchreckens, daß der Wirth mich ſcharf ins Auge faßte, und ehe er ſeine Rede beendete, die Frage an mich richtete:„Ihr erſchreckt ja bei der Nachricht, als ob Ihr ſein Bruder wäret? Was habt Ihr denn zu erſchrecken, daß der Unſelige endlich ſei⸗ nen Lohn empfangen hat, während ſich alle Chriſten und guten Bürger darüber freuen, daß die Straßen von Kalabrien endlich ſicher ſind vor ihm und ſeinen Geſellen?“ Er wollte noch weiter in ſeiner Predigt fortfahren, als ich, der ich mich unterdeſſen wieder gefaßt hatte, meinen Ausruf als Folge eines gerech⸗ ten Erſtaunens entſchuldigte und ihn bat, mir Weiteres mitzutheilen.
ie ein Stein
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