Jahrgang 
3 (1855)
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N.

18 Der ſchwarze Annibale.

Burſche darunter, die viel ſchlimmere Dinge begangen hatten als der Anni⸗ bale, der im Grunde halb unſchuldig zu ihnen gekommen war. Indeſſen hatte er ſeitdem doch auch an manchen Thaten Theil genommen und ſeine Hand war nicht mehr rein, weder von Raub noch von Blut, wenn das letztere auch von ihm nur zur Selbſtvertheidigung vergoſſen worden war, im Kam pfe mit den Polizeiſoldaten und Küſtenwächtern. Dazu hatte er ſich, ſeit ſein Muth und ſeine Verwegenheit ihn zum Haupte der Bande gemacht, in eine Verbindung mit dem Schmugglerkapitain Barbara eingelaſſen, der gelegentlich auch wohl das Piratenhandwerk trieb, weil er und ſeine Leute ihre Munition und andere Bedürfniſſe kaum anders als auf ſolchem Wege erlangen konnten. Und was wollt Ihr! zuletzt gefiel ihm das Handwerk, das er trieb. Er war ſtolz auf den Namen desſchwarzen Annibale, der weit und breit gefürchtet war, und das wilde Leben, heut in Saus und Braus und morgen in Hunger und Noth, das Leben voll Kampf und Gefahr, aber auch voll Luſt und Beute, reizte ſeinen kühnen und ſtolzen Sinn. Das Weib, das er liebte, war bei ihm; Carmela war ſein Weib geworden, das jede Gefahr mit ihm theilte, und ſtolz auf ihn, als auf ihren Herren blickte, wenn ſie an ſeiner Seite hoch zu Roß aus den Tiefen des Silawaldes, wo der An⸗ nibale ſein Hauptlager hatte, in irgend eine kleine Stadt an der Spitze von einem Dutzend ſtattlicher Burſche einzog, alle bis an die Zähne bewaffnet und ſtrahlend von Putz und goldenem Schmuck, und begrüßt von dem Evviva⸗ rufen der Einwohner. Denn der Annibale beſaß überall Freunde, und das Volk mochte ihn beſonders gern leiden, da er meiſt nur die Beamten und Kaſſen des Governo plünderte oder die Reichen unter dem Adel und die Klö⸗ ſter brandſchatzte, gegen das ärmere Volk aber niemals etwas unternahm, wohl aber Geld darauf gehen ließ wie ein Principe. Er war daher auch faſt immer trefflich bedient von ſeinen Kundſchaftern, und im Vertrauen dar⸗ auf unternahm und wagte er das Verwegenſte.

Ihr fragt mich, woher ich das alles weiß? Nun, ich habe es zwar nicht mit Augen geſehen, wohl aber habe ichs ſelber an Ort und Stelle von Leu⸗ ten vernommen, die ihn oft genug geſehen hatten in ſeiner Pracht, und das ging alſo zu.

Es mochte wohl ſchon einige Jahre ſein, daß der Annibale fort war. In unſerm Hauſe ſah es traurig aus. Rafaello war ins Kloſter gegangen und hatte Profeß gethan, Carmela war auch fort, Donna Maria, die Mut⸗ ter und Hausfrau, kränkelte und grämte ſich um ihren verlorenen Sohn und