Jahrgang 
3 (1855)
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Der ſchwarze Annibale.

Küſte nahm der Annibale ſeinen Vortheil wahr und entſprang ſeinen Wäch⸗ tern. Alle Bemühungen, ihn wieder zu fangen, waren vergeblich und moch⸗ ten auch nicht ſo ernſtlich gemeint ſein wie früher. Er war und blieb fort und wir hörten lange nichts von ihm, obſchon verlauten wollte, daß er in der Nähe von Policaſtro geſehen worden ſei, aber nicht allein, ſondern mit anderen Geſellen von zweifelhaftem Wandel. Dem mochte nun ſein wie ihm wollte, wir ſahen ihn nicht und erhielten auch keine Botſchaft von ihm, bis eines ſchönen Morgens Carmela von einer Wallfahrt nach einem meh⸗ rere Meilen weit entfernten Kloſter, die ſie barfuß zu machen gelobte, nicht wieder zurückkehrte, ſondern ſtatt ihrer ein Brief gebracht wurde, worin ſie ihren Oheim bat, ihr nicht nachzuforſchen, weil ſte zu ihrem Verlobten ge⸗ gangen ſei, der ſie gerufen, und der ein Recht habe, in ſeiner Ausgeſtoßen⸗ heit von den Menſchen ihren Beiſtand und ihre Geſellſchaft zu verlangen. Man fand, daß ſie alles, was ihr eigen war, mitgenommen hatte, und ver⸗ breitete im Orte, daß ſie auf ihren Wunſch in ihre Heimat zurückgekehrt ſei, wo ihr ein verſchollener Verwandter unerwartet eine Erbſchaft hinter⸗ laſſen habe. So hatte ſte es ſelbſt in dem Briefe gewünſcht. Aber natürlich glaubten nicht alle Leute, daß dem alſo ſei, und bald lief die Rede im Orte, der Annibale habe ſich an eine Brigantenbande angeſchloſſen, ſei deren Häupt⸗ ling geworden und lebe in wilder Ehe mit Carmela, die ihm überall hin folge. Das war nun aber, was das letztere betraf, reine Unwahrheit. Car⸗ mela war allerdings zum Annibale ins Gebirge gegangen, aber ſie war, wie wir ſpäter erfuhren, ſein eheliches Weib geworden und ein Pater Kapuzi⸗ ner hatte ſte beide zuſammengegeben, den Annibale durch einige von ſeiner Bande eigens dazu hatte einfangen laſſen.

Das waren nun alles ſehr ſchwere Schläge für Don Gaetano, den ſtolzen Mann, und obſchon er ſich Mühe gab, es ſo wenig als möglich mer⸗ ken zu laſſen, wie ſchwer die Hand Gottes auf ihm und ſeinem Hauſe laſtete, und obgleich er ſein Haupt faſt noch ſtolzer als ſonſt empor hielt, wenn er durch die Gaſſen von Policaſtro zur Verſammlung der Stadtälteſten ſchritt, deren Vorſteher er noch immer war, ſo ſah man doch wohl, wie der bittere Kummer um ſeinen Liebling an ſeinem Herzen fraß und wie ſein Schritt minder feſt und ſeine Stimme minder tönend waren als ehedem. Und wer es daran nicht merkte, dem ſagte es ſein Haar, das in Jahr und Tag ſchnee⸗ weiß geworden auf ſeinem ſtattlichen Haupte vor herznagendem Gram und ſchweren Sorgen, wie das alles enden werde. Daß Carmela fortgegan⸗