Von Adolf Stahr. 15
lockt hatte. Er war der Anzeige gefolgt und hatte ſich bis an die Zähne be⸗ waffnet, aber allein, durch die Klippen jenem Orte genähert, wo er die Schmuggler zu überraſchen hoffte. Denn er war ein ſtarker und muthiger Mann und wollte den erhofften Fang mit niemand theilen. Auch hatte man ſein Gewehr abgeſchoſſen und ſeinen Säbel entblößt und blutig neben ihm gefunden, zum Zeichen, daß es ein Kampf und nicht Meuchelmord ge⸗ weſen war, der ſeinem Leben ein Ende gemacht.
Als ich nach etwa vier Wochen mit meiner Felucke nach Policaftro zurückkehrte, fand ich das ganze Haus in tiefer Trauer. Denn der Annibale ſaß gefangen in Salerno, und es hieß, es werde ihm an das Leben gehen. Denn er hatte zwar nicht eingeſtanden, daß er den Zollwächter getödtet, auch wußte niemand in Policaſtro, daß er mit demſelben in Feindſchaft ge⸗ ſtanden oder ſonſt irgend einen Grund dazu gehabt habe, ſein Leben anzu⸗ taſten. Aber der Umſtand, daß er nicht mit mir abgeſegelt, ſondern heimlich und gegen die Beſtimmung ſeines Vaters zurückgeblieben war, und daß er ſich ſeitdem im Gebirge verborgen gehalten hatte, ſprach allzuſtark gegen ihn. Dazu kam noch, daß der Annibale von freien Stücken ausſagte, daß er die That zwar nicht begangen habe, daß er aber auf dem Wege geweſen ſei, den Zollwächter insgeheim zu ſprechen, und daß er entſchloſſen geweſen ſei, die That zu begehen, wenn jener ſich nicht dazu verſtanden haben würde, der Werbung um Carmela zu entſagen. Don Gaetano ward davon auf das Aeußerſte erſchüttert. Er glaubte feſt an die Wahrheit von Annibales Aus⸗ ſage und verſuchte alles Mögliche, um dem Sohne zu helfen, für den jetzt ſeine ganze Liebe wieder hervorbrach. Das koſtete dann große Summen, denn der Prozeß zog ſich in die Länge, weil Richter und Advokaten ihren Vortheil dabei fanden. Ein Grundſtück mußte veräußert und zuletzt ſogar eines der Schiffe verkauft werden, um das Geld zu beſchaffen, mit dem Don Gaetano den Schlund der Unerſättlichen immer von neuem zu füllen hatte. Endlich kam die Sentenz. Don Gaetano hatte mit Sicherheit auf eine Frei⸗ ſprechung gerechnet. Um ſo mehr erſchütterte ihn das Urtheil, denn es lau⸗ tete auf mehrjähriges Gefängniß und oben ein auf Verbannung nach einer der Tremitiinſeln. Das letztere traf Vater und Sohn am härteſten, weil es beiden völlig unerwartet kam; und für den Annibale war es vollends ein Unglück, weil er den Gedanken nicht ertragen konnte, ſo weit von den An⸗ gehörigen und von der Carmela unter Verbrechern zu leben.
Aber es kam auch nicht dazu. Denn auf dem Transport nach der


