Von Adolf Stahr. 9
Annibale, zu dem ich auch den Jahren nach am beſten paßte. Wir kamen beide frühzeitig auf daſſelbe Schiff, denn der Vater wollte, daß wir Seeleute werden und ſein Geſchäft fortſetzen ſollten, wozu wir beide auch die größte Luſt hatten.
So ging die Zeit hin und wir wurden nach und nach groß und geſchickt genug, um ſelbſt jeder als Kapitän je eine der Barken führen zu können, mit denen Don Gaetano Velasco ſein Geſchäft trieb, als ein unglückſeliges Begegniß in die bis dahin glückliche Familie den erſten Grund legte zu einer Rei⸗ henfolge von unabſehbarem Unheil und zum endlichen Verderben von uns allen.
Der Annibale war in Leidenſchaft entbrannt für unſere Verwandte Carmela, aber der Vater, der mit dem Burſchen höher hinaus wollte und ein reiches Mädchen von gutem Hauſe für ihn beſtimmt hatte, war dieſer Leidenſchaft nicht günſtig, obſchon er ſonſt, wie geſagt, ſeinem Lieblinge alles und jedes nachſah, ihm viele tolle Streiche, an denen es der Annibale nie⸗ mals fehlen ließ, zu gute hielt, und wenn es Händel mit Gerichten gab, wenn Raufereien und Meſſerſtiche, immer durch ſein Anſehen und durch Geld alles wieder ins Gleiche brachte, ob es ihm auch zuweilen beträcht⸗ liche Summen koſtete. Denn die Gerichte waren damals, unter König Fernando beſtechlich, und wer Dukaten genug im Sacke hatte für die Schreiber, der konnte thun, was er wollte. Don Gaetano aber war reich, wenn auch nicht ſo reich, wie ihn die Leute machten und er ſelbſt ſich wohl das Anſeher gab, weil es ihm ſchon recht war, daß man ihn im Orte und auf Stunden weit faſt wie einen Edelmann betrachtete und ihn nur den reichen Gaetano von Policaſtro nannte. Auch der Annibale wußte das und trotzte darauf. Er verſchwendete das Geld mit vollen Hän⸗ den in Neapel und Salerno auf den Märkten, und nichts war ihm zu koſt⸗ bar, wenn es galt, einen Halsſchmuck oder ein Ohrgeſchmeide für Carmela und für ſeine Schweſter Angela mitzubringen. Denn auch die letztere liebte er ſo zärtlich und faſt abgöttiſch, daß es ihn geradezu eiferſüchtig machte, als er ſah, daß ich meine Augen auf ſie geworfen hatte, und daß das ſchöne Mädchen auch mich gern hatte. Er war überhaupt ein ganz eigener Burſche der Annibale, und obgleich er faſt mit aller Welt Händel gehabt hatte, konnte ihm doch niemand eigentlich gram ſein. Denn er war großmüthig und hatte eine offene Hand für jeden; dabei war er muthig wie ein Löwe und ſtand immer auf Seiten der Schwächern, wenn es irgendwo in ſeiner Nähe Streit gab. Dazu kam die Gottesgabe ſeiner großen Schönheit, die es


