Jahrgang 
2 (1855)
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20 Mädchenbriefe.

er war bald daheim, wie das Kind vom Hauſe. Er war reich und vor⸗ nehmer Leute Kind, das merkte man wohl an ſeinen fürſtlichen Manieren. Ich konnte ihm nicht mehr feind ſein, wenn ich ſah, wie die Bertha ſo glückſelig war, wenn er kam, ich habe keine Augen mehr ſo glänzen ſehen ſeitdem.

Mit ſeinem Forſtſtudiren muß es nicht viel geweſen ſein, denn er war

oft tagelang hier. Das allein betrübte Bertha oft, daß er nicht mit ihr in die Kirche gehen wollte. Ich hatte das Herz und ſagte ihr einmal:

und ich thät Keinen nehmen, der in keine Kirche geht; wer nicht betet, der glaubt nichts, und wer nichts glaubt, dem frißt eine verborgene Krankheit am Herzen und bricht einmal aus mit Schrecken. Da ſchaute ſte mich ſo herzbeweglich an mit ihren blauen Augen und ſagte:und wenn du Einen recht lieb hätteſt, und du wüßteſt, daß ihm ein geheimes Uebel am Herzen nagt, wollteſt du ihn dann verlaſſen, allein laſſen, ohne einen Gott? Nein, das thäteſt du nicht, ſagte ſie dann wieder,du wollteſt bei ihm bleiben Tag und Nacht und beten, daß Gott dir Frieden gebe für dich und ihn. Und wenn die dunkle Stunde kommt, wo ſein Herz ſich elend fühlte und gottverlaſſen, da wollteſt du erſt recht bei ihm ſtehen und ſehen, ob dir's Gott verleihe, ihn zurückzuführen. Ich hab's immer gewußt, daß ſie ein Engel war, aber dazumal mußt ich bitterlich weinen, denn ich ſah wohl, daß ſie bei uns nicht bleiben werde.

Es dauerte nicht lang, ſo waren ſte Braut und Bräutigam, und ein Stein hätte ſich freuen müſſen, zu ſehen, wie die Beiden ſo glücklich waren. Er hatte ein Horn, mit dem blies er wunderſchön, wenn er vom Wald her⸗ unter kam. Bertha, die meiſt in ihrem Gärtchen ſaß, ſang die nämliche

MNelodie, dann ging ſie ihm entgegen, und wenn die Zwei mit einander den grü⸗

nen Weg daher kamen, mußte man ſich freuen, daß die zuſammengekommen.

Sie ſaßen oft und oft auf der Steinbank im Gärtchen, manchmal tief in die Nacht hinein, bis der helle Mond ſchien; ich hätte gern gewußt, was ſie denn immer einander zu ſagen hätten, aber horchen wollt' ich nicht.

Am Tage ging Bertha auch wohl mit ihm in den Wald, und kam wieder mit einem grünen Kranz von Eichenlaub um ihr ſchönes, helles Haar, ſie wurde alle Tage ſchöner.

Auch von der Hochzeit wurde geredet, der Jäger, ich will ſeinen Namen nicht nennen, ſagte, ſeinen Eltern ſei Alles recht, das glaubten wir auch; wem wird denn ſo ein holdſeliger Engel nicht recht ſein? und