Jahrgang 
2 (1855)
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Von Ottilie Wildermuth. 13

iſt ohnehin mein Tod, da hab' ich denn alles dem Annamreile hinaufgetra⸗ gen, ſie flickt excellent.

Ich habe eine Art von Freundſchaft mit ihr geſchloſſen und verplau⸗ dere hie und da ein Stündchen an Regentagen, obgleich die Luft in ihrem Stübchen faſt etwas dumpfig iſt; es iſt ſüß, ſich für andere hinzugeben, und meine Beſuche ſind gewiß ein Lichtblick in dieſem einſamen Leben.

Zudem, im tiefſten Vertrauen, meine Theure, ich werde mich hier im Hauſe eben nie, nie ſo daheim fühlen, ich fühle mich ſo unverſtanden unter dieſen guten Leuten.

Fremd dem Ohr iſt meine Sprache, Fremd dem Herzen iſt mein Leid.

Der Onkel zwar iſt ein prächtiger Mann, mit dem ſchwarzen Sammet⸗ käppchen auf ſeinem grauen Haare, immer zufrieden, immer heiter, aber ſeine Späße verletzen mich doch hie und da. Auch iſt mir's peinlich, daß er immer verlangt, ich und Tobias ſollen einander duzen, das kann ich doch unmöglich. Tante iſt ſehr gut, gewiß, aber ſie iſt doch gar zu geſchäftig, ich ſehe nicht ein, wozu ſie Mägde hat, wenn ſie alles ſelbſt thut; wenn ich mit meiner Arbeit in der Laube ſitze, iſt mir's immer peinlich, wenn ſie ſo hackt und gräbt, ich meine oft, ſie thut es abſichtlich, nur mir zum Beiſpiel; ich habe mich wohl oft ſchon angeboten, ihr zu helfen, dann weist ſie mir immer Arbeit an, aber von dem Begießen bekam ich abſcheulich naſſe Strümpfe, von dem Setzen wurden meine weißen Aermel ſchwarz und ſchmutzig von Erde, da fiel mir das waſſerdichte Kleid ein, und ich ſagte der Tante, ich wolle das anziehen.

Bis ich mich aber umgekleidet hatte(ich fand ſo lange niemand, der mir das Kleid zugemacht hätte), war Tante mit allem fertig, und ich hatte das ſteife Kleid vergebens an.

Vetter Tobias, der iſt mir vollends unbequem, er hat ſo ſtille Augen, mit denen er einen verfolgt, ich glaube nicht, daß er etwas dabei denkt, o nein, es ſind im Grunde fade, graue Augen, nichtzwei Königskinder, in Demanten blitzend, wie jene Augen, aber ſie inkommodiren mich doch, er macht nur hie und da ſeine trockenen Bemerkungen. Als der Onkel neu⸗ lich mir rief, die Suppe hereinzubringen, ſagte er:o nein, Fanny würde ihre Handſchuh verderben, das iſt nur für Großmutter. Was geht es ihn an, was ich arbeite oder nicht, ich gehe wahrhaftig nicht müßig, ſchon das ganze Kleid feſtonnirt, und nun habe ich eine Haube auf der Tante